Autor : Rolf Strasser © 2000
Wer sich in der Kirchengeschichte nicht so auskennt, der mag beim Thema Täufer, deren Bewegung vor 500 Jahren in Zürich entstand, vielleicht zuerst an eine Sekte oder an religiöse Spinner denken. Geht man jedoch tiefer ins Thema hinein, entdeckt man, dass die Täufer zunächst einfach normale Christen, jedoch in zeitgeschichtlich speziellen Umständen waren. Die Täufer wurden bedrängt und unterdrückt, weil sie in gewissen Aspekten näher am Neuen Testament und an Jesus Christus selber orientiert waren als andere im Christentum. Auf der anderen Seite gab es auch täuferische Bewegungen, die aufgrund ihrer Radikalität den Widerspruch der staatlichen Autorität geradezu herausforderten. Das Täufertum des 16. Jahrhunderts war nicht überall und immer gleich und danach auch nicht.
Die Erweckungsgeschichte kommt an der Täufer-Bewegung nicht vorbei. Immer hat es Christinnen und Christen gegeben, die auf der Suche nach der Nähe zu Gott waren, die das Christsein möglichst konsequent zu verwirklichen suchten, weil für sie das ungläubige Leben nicht mehr in Frage kam oder sie sich von religiösen Zwängen befreien wollten.
Die Täufer-Bewegung ist so vielschichtig und geographisch unterschiedlich, dass eine genaue Betrachtung der Wissenschaft vorbehalten ist. Hier geht es darum, ein paar geschichtliche Notizen festzuhalten. Einzelne lokale Begebenheiten sollen nicht fehlen, um das Ganze etwas greifbarer zu machen.
Die zu gross gewordene Macht der Römsich-Katholischen Kirche führte im 16. Jahrhundert zur Reformation, zur Bildung von reformierten Kirchen und zu allerlei konfessionellen Unruhen in Europa, leider auch zu kriegerischen Auseinandersetzen. Die Täufer wollten diese Reformation besonders konsequent umgesetzt haben.
Auch ein Mensch, der Gott wirklich nachfolgen will, ist und bleibt ein Sünder, welcher der Erlösung durch Jesus Christus bedarf. Und genau aus diesem Grund war vieles an diesem Täufertum des 16. Jarhunderts unausgereift, schwärmerisch und manchmal selber kritisch gegenüber der Bibel. Und so manches war unreif alleine deshalb, weil das Bildungswesen nicht den heutigen Stand hatte.
Bis zu einem gewissen Grad war das Aufbegehren gegen die Obrigkeit, auch gegen die protestantisch gewordene Obrigkeit verständlich. Wieso soll man als überzeugter Christ für irgendwelche Fürsten, die wieder mal Streit haben, in den Krieg ziehen? Und wieso soll man kirchlich diesen Pfarrern gehorchen, welche die eigenen Kinder taufen wollen, obwohl die Bibel nur die Taufe der entschiedenen und mündigen Nachfolger Christi kennt?
Im 16. Jahrhundert gab es wie zu jeder Zeit Leute, die einfach genug hatten vom Lauf der Welt. Sie sehnten sich nach mehr. Weil die Täufer Erwachsene tauften, die vielleicht schon als Kind in der Kirche getauft wurden, wurden sie auch Wiedertäufer genannt.
Die
Täufer waren vielenorts bahnbrechend. Sie setzten auf das Recht
des Individuums, den eigenen Glauben zu wählen und ihm eine
eigene kulturelle Gestalt zu geben. Damit waren sie Vorläufer
der modernen Menschenrechte wie Gewissens-, Glaubens- und
Versammlungsfreiheit. Die Täufer waren wertkonservativ, aber sie
gehörten zu den frühen Verfechtern der heute in der
zivilisierten Welt allgemein akzeptierten Menschenrechte. Mit
den Täufern ging das Evangelium zudem um die ganze Welt. Man
kann sie durchaus als Vorbilder nehmen für vieles.