Autor : Rolf Strasser © 2000
Wo die Täufer sesshaft wurden, blieben die Täufergemeinden nicht immer bestehen. Die Nachfolgenden der Täufer-Generation in der Gemeinde zu halten, war schwierig. Gemeinden starben aus, weil zu viele weg gingen und zu wenige dazu kamen. Ein weiterer Grund waren wirtschaftliche Gründe. Zog ein Teil weg, war der Bestand einer Gemeinde gefährdet. Es kam auch vor, dass aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund obrigkeitlicher Bedrängung ganze Täufergemeinden wegzogen. Auch im zweiten Jahrhundert des Täufertums ist die Geschichte wechselvoll geblieben und für uns hier nur punktuell nachzuvollziehen.
Aus Winterthur sind 1604 gegen 40 Täufer aus der Gegend weggezogen und haben sich im Schaffhausischen zwecks Auswanderung ver-sammelt. Auch in der südlich vom Winterthurer Eschenberg gelegenen Nachbargemeinde Kyburg gab es eine kleine, rund zehn Personen umfassende Täufergemeinde.
In Zürich wurde das letzte Todesurteil gegen einen Täufer am 29. September 1614 vollstreckt. Das Opfer des reformiert induzierten staatlichen Totalitarismus hiess Hans Landis aus Horgen.
In das Gebiet des Fürstbistums Basel, dem heutigen Kanton Jura und in das Laufental, welches Ende des 20. Jahrhunderts vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Land kam, wanderten ab 1700 viele Täufer ein. Bis 1890 dauerte die Täufer-Einwanderung im Jura, wobei diese Zeit gleichzeitig das Ende der Weiter-wanderung nach den USA war, wie Zürcher berichtet. Ziel der Einwanderung waren vor allem die Bezirke Courtelary und Moutier. Einige zogen später nicht nur nach Amerika, sondern auch in die Pfalz aus, da es Unverträglichkeiten mit der lokalen Bevölkerung gab.
Von dieser Zeit wird auch von den sogenannten Halbtäufern berichtet, welche zu den Täufern und zur reformierten Kirche gehörten oder Familien, bei denen sich die Elternteile konfessionell unter-schieden. Die Jura-Täufer kamen aus verschiedenen Gegenden. Mehr als die Hälfte kam aus Bern oder dem Emmental, die meisten anderen von sonstwo aus der Schweiz. Der Hauptgrund war, dass die Täufer als Pazifisten keinen Militärdienst leisten wollten. Bern hatte gegenüber Frankreich Verpflichtungen für Söldner-Kontingente, die sie nur schwer erfüllen konnten.
Im Emmental, welches grösser war, als das was heute darunter bezeichnet wird, sind besonders viele Täufer verblieben, im Gegensatz zum übrigen Bern. Zürcher berichtet weiter, dass 1711 viele auswanderungs-willige Berner Täufer nach Holland kamen, um nach Amerika weiterzureisen. 130 kamen aus dem Emmental, 74 aus dem Berner Oberland, 93 aus Thun und 113 aus Neuenburg. Diese Berner Täufer gehörten vorwiegend der Richtung von Ammann an, von daher der Ausdruck Amische. Die andere Richtung war diejenige um Reist, welche vor allem im Emmental vertreten war.
In
der Schweiz und auch anderswo gab es im 18. Jahrhundert keine strikte
Trennung zwischen Täufern, Pietisten und Separatisten, wie
Hanimann festhält. Das Täufertum lebte im Untergrund weiter
oder kam zurück. Mit bezug auf die Gemeinde Richterswil am
Zürichsee hat Hanimann diesen auch anderswo auftretenden
Zusammenhang wieder-entdeckt. Dem Pfarrer von Richterswil fiel in den
Jahren kurz nach 1700 auf, dass ein Täufer aus dem Elsass seinen
Bruder in der Gemeinde besuchte. Die täuferischen Ideen kamen
durch herumreisende Feldarbeiter oder eben von Rückwandernern
oder – Besuchern aus dem Elsass oder der Kurpfalz zurück. Die
Aufhebung der Toleranzpolitik im Elsass und den dortigen Druck der
Jesuiten, man müsse sich zum Katholizismus bekehren, zeigten
seine Wirkung. 1712 wurden die Täufer gezwungen, das Elsass zu
verlassen.
Die
Wiederbedrängnis in der Altheimat Richterswil führte darauf
zur erneuten oder bei neu zur Täufergemeinschaft gestossenen
Personen zur erstmaligen Auswanderung. Dies war teilweise begleitet
mit einer Vermögenssperrung. Vom Ausland rückkehrende
Erntearbeiter hatten sich künftig auszuweisen, dass sie in der
Fremde regelmässig den reformierten oder wenigstens den
lutherischen Gottesdienst besucht hätten. Jedenfalls hatte das
grösste zürcherische Täufertum zu jener Zeit in und um
Richterswil nicht nur Mitglieder, sondern auch Sympathisanten.
In dieser Zeit hatte die Obrigkeit in und um Zürich nicht nur Mühe mit den Resten des Täufertums, sondern auch Mühe mit dem aufkommenden Pietismus wie zum Beispiel in Winterthur. Der Wald auf dem Lindberg im Norden der Stadt gab gute Gelegenheit, verborgene Versammlungen abzuhalten.
Trotz einzelnem Wiederaufflackern der täufischern Begeisterung gilt das 18. Jahrhundert im Täufertum generell als Epoche von Stillstand, Abschottung und geringerer Missionierung der Umgebung. Diese Lücke wurde von einer neuen Bewegung gefüllt, dem Pietismus.
Die Kaiserin von Russland, Katharina II., wies den Täufern und anderen Einwanderungs-Willigen in den 1780er Jahren neue Gebiete in Südrussland zu. Eine Wehrpflicht bestand für sie nicht.
Neben
der Geschichte der Denominationen ist ein Blick in die allgemeine
Geschichte in diesem Zusammenhang nützlich. Münster blieb
nach der Katastrophe von 1534/5 katholisch. 1555 setzt der Augsburger
Religionsfriede den Kriegen zwischen Protestanten (Lutheranern) und
Katholiken ein vorläufiges Ende. Waldshut am Hochrhein, welches
aufgrund von Müntzer und Hubmaier zur Bauernbewegung und zum
Täufertum wechselte, blieb durch den Einmarsch der Habsburger
katholisch. 1633 wurde die Stadt zwischendurch von den
evangelisch-lutheranischen Schweden eingenommen und verwüstet.
1803 kam Waldshut von den Österreichern los und wurde ein Teil
Badens.
Zürich blieb reformiert. In der Stadt Zürich
leben seit ein paar Jahren aufgrund der Zuwanderung aus der
Innerschweiz und Südeuropa mehr römisch-katholische als
evangelisch-reformierte Einwohner. Aber das stört kaum jemanden.
In Strassburg richtete sich 1648 die königliche Verwaltung von
Frankreich ein.