Urheber: Rolf Strasser © 2001
Die neue Zivilisation begann am Ararat
Nach der Sintflut, die Gott geschickt hatte, überlebte nur Noah
und seine Familie. Ihre Arche landete im Gebirge Ararat, etwa 1657
Jahre nach der Erschaffung Adams. Urartu kommt von Ararat, weil Urartu
in jener Gegend existierte.
Die Urartäer sind das
Vorläufer-Volk der Armenier
Wer sich wenigstens ein bisschen für Altorientalistik interessiert, der hat sicher schon mal was von den Assyrern gehört. Auch in der Bibel lesen wir viel von den Assyrern. Dieses Volk spielt auch in der Geschichte Urartus eine wichtige Rolle.
Die Urartäer lebten im letzten vorchristlichen Jahrtausend, ein
Volk auf dem Gebiet der heutigen Osttürkei und Armeniens, welches
mindestens
in Westeuropa - ausser in Gelehrtenkreisen - in Vergessenheit geraten
ist.
Die Urartäer waren gewissermassen die Vorgänger der Armenier.
Von den Armeniern wiederum sollen später im Lauf ihrer Geschichte
welche
nach dem Gebiet des heutigen Italiens ausgewandert sein, wo sie noch in
vorchristlicher Zeit den kulturellen Kern des etruskischen Volkes
(Etrurien)
gebildet haben sollen. Armenische Architekten haben später auch
die
byzantinische Bauweise beeinflusst, was den Byzantinern selber
später
nachgeahmt wurde. Vieles an kulturellem Erbe, welches auf die
Urartäer
und Armenier zurückgeht, auch in der Teppichknüpfkunst, wird
nicht
ihnen, sondern anderen Völkern als Errungenschaften zugeschrieben.
Im künftigen Geschichtsbild könnten die Urartäer jedoch
eine grössere Rolle spielen als es bisher der Fall war. Die
frühe Entwicklung
des Hochlandes in jener Region muss mit der Ausbeutung der zahlreichen
Bodenschätze
im Zusammenhang stehen, welche offenbar viel früher als in Europa
einsetzte
bzw. viel früher ein grösseres Ausmass hatte. Geologisch ist
das
Gebiet vom Vulkanismus geprägt und damit auch von Erdbeben, die
bis
in die heutige Zeit immer wieder viel Schlimmes anrichten und das, was
Generationen aufgebaut haben, mit einem Schlag vernichten. Vielen bei
uns
in Westeuropa ist Armenien nur dann wieder bewusst, wenn die
Nachrichten
von Erdbeben berichten.
Die Hyksos und Hethiter als Vorgänger der Urartäer
Im armenischen Hochland lebten vor den Urartäern Churriter,
Hyksos (die nach Unter-Ägypten auswanderten),
Hethiter und das Volk Mittani. Die Hethiter lagen Ende des 15.
Jahrhunderts
im Krieg gegen das Hayasa-Land am oberen Euphrat. Nach dem
Friedensschluss
wurde zwischen beiden Herrscherhäusern geheiratet. Von Hayasa soll
die Selbstbezeichnung der Armenier stammen, Hayastan. Bauer berichtet,
dass sich die Abstammungstradition um den Stammvater Hayk rankt, der
sein
Volk nach einer Revolte gegen den Titanen Bel von Babel in die
Ararat-Region
führte, was zur Selbstbezeichnung Haykasian führte. Bauer
erwähnt
weiter die Nähe der frühen Urartäer zum Hyksos-Volk.
Bauer:
"Um 1180 v. Chr. drang aus Osteuropa ein zweiter armenischer Stamm nach
Kleinasien vor. Neben den Thrakern und Phrygiern beteiligten sich
Armenen
an der Eroberung des Hethiter-Reiches. Arim-Armenen sollen dann der
Vereinigung
zahlreicher Kleinkönigtümer angehört haben, das sich
über
das gesamte armenische Plateau erstreckte."
Der Nachbar-Konflikt mit Assyrien als
geschichtliche Konstante
Nach Pjotrowski (1969) ist in historischen Urkunden des 13.
vorchristlichen
Jahrhunderts von den Bergvölkern in diesem Gebiet die Rede. In
einer
Inschrift des assyrischen Königs Salmanasser I. (1280-1261 v. C.)
taucht
zum ersten Mal der Ausdruck Uruatri als Bezeichnung einer
Ländergruppe
um den Wansee (heute in der Türkei gelegen) auf. Uruatri bedeutete
auf assyrisch etwa soviel wie Berggebiet (die urartäische
Selbstbezeichnung
war Bianili), wobei es eine Zeit lang, bis ins 11. vorchristliche
Jahrhundert,
auch als Nairi bezeichnet wurde. Der Sohn Salmanassers besiegte 43
verbündete
Könige der Nairi-Länder. Die Verteidigung der
urartäischen
Heimat gegenüber den Assyrern war eine lang währende
Konstante
in der Geschichte. Der Staat Urartu soll in der ersten Hälfte des
neunten
Jahrhunderts vor Christus entstanden sein, die Stämme waren in den
Notzeiten stärker zusammengerückt. Von den Feldzügen des
assyrischen Königs Salmanasser III. (860-825 V. C.) sind auch
heute
noch einige Details bekannt, so auch Angaben über Waffen und
Kleidung
der Urartäer, welche verwandt schienen mit Hurritern und
Hethitern.
Als Zentral-Urartu galt das Gebiet um den Wansee. Die Israeliten
bezeichneten
das Gebiet als das Land Ararat.
Die Eisen-Bearbeitung als
Kondensationspunkt der Staatswerdung
In der Zeit der Staatswerdung Urartus und auch schon vorher gewann
die
Eisenverarbeitung an Bedeutung. Als Königreich war Urartu
während
rund 200 Jahren der grösste Staat Westasiens, Hauptstadt war das
massiv
befestigte Tuspa. Zu Beginn dieser Periode, Ende des 9. vorchristlichen
Jahrhunderts, überwanden die Urartäer ihre einfache
Bilderschrift
durch die assyrische Keilschrift. Die Religion zeigte an der Spitze die
Verehrung von drei Götzen, wobei auch viele Nebengötzen
verehrt
wurden. In der Mitte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts stand Urartu
auf dem Höhepunkt seiner Macht. Dem assyrischen Expansionsdrang
wurde
ein Riegel geschoben durch die Ausbreitung des urartäischen
Einflussgebietes
bis ans Mittelmehr, ins Innere Kleinasiens (heute Türkei) mit dem
Oberlauf
des Euphrat als Westgrenze sowie nach Nordsyrien. Interessant ist, dass
die Kultur der herrschenden Klasse in Urartu zu jener Zeit vom
Lebensstil
der Assyrer geprägt war. Auch die Stämme am Seewansee wurden
unterworfen
und eingegliedert. Dort liegt die heutige armenische Hauptstadt Jerewan
zwischen den Bergen Ararat (5165 MüM) und Aragaz (4095 MüM.),
welches aus einer 782 v. C. errichteten Festung Jerebuni heraus
entstand.
Die Bedeutung Jerebunis schwand durch die später in der Nähe
errichtete Festung Teisebaini und darum herum eine Siedlung, welche
nach dem Götzen
des Krieges, Sturmes und Donners Teiseba benannt wurde. Dort fanden
Archäologen
in neuerer Zeit Handelsgegenstände aus Assyrien und sogar aus dem
skythischen
Dnjepr-Gebiet.
Immer wieder Kriege mit den Assyrern
Eine neue Zeit brach mit der Machtergreifung Tiglath-Pilesers III. in Assyrien 745 v. C. an, welche auch eine Reorganisation der dortigen Armee hervorbrachte. 735 vor Christus gelangen die Assyrer sogar in die urartäische Hauptstadt Tuspa, wo sie ein wüstes Gemetzel anrichteten. Die Hauptfolge lag im Abfall der urartäischen Verbündeten, welche ihre Stellung im Machtgefüge neu überdenken mussten. Die Urartäer waren mit der Neuverwaltung der Regionen - Einrichtung des Vizekönigtums statt örtliche Herrscher - und der Verstärkung der Verteidigungswerke bis an den Rand ihrer Kraft beschäftigt. Auch von den kaukasischen Bergen her gab es in der Gestalt von Nomadenstämmen wie den Kimmerern neue Herausforderungen.
722 v. C. nahm Tiglat-Pilesers Sohn, Sargon, den assyrischen Thron
ein.
Militärisch aggressiv ging er auf die Fürstentümer,
welche
von Ägypten unterstützt wurden, in Syrien und Palästina
los.
Die Deportation der Nordstämme Israels fällt in diese Zeit.
Gegen
Süden wollte er Babylon unterwerfen und im Norden gings gegen
Urartu.
Ein archäologischer Glücksfall sind die noch erhaltenen
Notizen
von assyrischen Spionen aus dieser Zeit. Offenbar gab es in Urartu auch
Revolten und fehlgeschlagene Feldzüge gegen die Nomaden. 714 v. C.
unternahm Sargon einen grossen Feldzug gegen Urartu. Dieser zog um den
Urmiasee
herum und weiter gegen den Wansee. Die Assyrer machten über 6000
Gefangene,
dazu kamen viele Nutztiere sowie wertvolle Sachen wie Gold und Silber.
Insgesamt
wurden 333'500 Gegenstände protokolliert (die Urartäer
importierten
sogar Seide aus China).
Assyrien fällt an die Meder
Trotzdem existierte Urartu weiter. Auf Sargon folgte sein Sohn
Sanherib
auf dem assyrischen Thron, der vor allem mit Kriegen in Babylon, Syrien
und Palästina engagiert war, was Urartu eine Atempause gab. Jetzt
verbündeten
sich die kaukasischen Nomadenstämme, von denen die Kimmerer und
die
Skythen (eine Sammelbezeichnung für allerlei Volk und
Stämmen) die wichtigsten waren, teilweise mit Urartu gegen
Assyrien. Die Kimmerer siedelten sogar im Wansee-Gebiet. Auf Sargon
folgte in Assyrien
681 v. C. Asarhaddon auf den Thron. In der zweiten Hälfte des
siebten
Jahrhunderts schwand Assyriens Grösse durch die von ihnen
bevormundeten
Babylonier, welche sich dies nicht länger gefallen liessen, sowie
durch
die aufkommende Grossmacht Medien. 614 zerstörten die Meder die
assyrische
Hauptstadt Assur. Die Stadt Ninive am Tigris gelegen in der Nähe
der heutigen irakischen Stadt Mossul fiel 612 v. C. Die Meder und die
Babylonier verbündeten
sich. Auch die Skythen spielten ihre Rolle. Das assyrische Reich ging
605
definitiv unter.
Auch Urartu fällt
Zu Beginn des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts fiel auch das urartäische Reich durch Angriffe der Meder, welche in dieser Marschrichtung auch gegen die Lydier zogen. Die Lydier waren das grosse Reich in der heutigen West-Türkei. Teisebaini fiel durch einen Überraschungsangriff, ebenso die Hauptstadt Tuspa. Schon Ende des 7. Jahrhunderts gab es immer wieder Schlachten. Im Buch Jeremia werden für das Jahr 594 v. C. als viertes Jahr der Regierung Zedekias die Völker der Meder, Urartäer, Mannäer und der Skythen (Aschkenaz) erwähnt. Im westlichen Gebiet des ehemaligen Urartu entstand ein neuer Stammesverband unter der Führung der Armenier, welche ihren Namen von ihrem Herkunftsgebiet Arme südwestlich des Wansees haben. Das Gebiet um den Wansee selber wurde medisch, dann persisch.
Aus assyrisch Urartu wird Armenien
Urartu wird in einer Urkunde, als Darius II. regierte, um 415 v. C.
das
letzte Mal erwähnt. Der Name Armenien hatte sich in den Dokumenten
schon vorher eingebürgert. Jedenfalls regierte ein armenischer
König
über das übrig gebliebene Urartu als Verbündeter
Mediens.
Die Armenier nahmen die urartäische Kultur an. Umgekehrt setzte
sich
von der neuen Oberschicht her die armenische Sprache durch, welche nach
griechischen Gelehrten dem Phrygischen sehr ähnlich gewesen sein
soll,
wie Bauer berichtet. Die Phrygier waren das westliche Nachbarvolk.
Gleichwohl wurden viele urartäische Wörter
ins Armenische aufgenommen. Als Hauptstadt einer persischen Satrapie
(Regionalverwaltung)
gewann Jerabani (früher Jerebuni) wieder mehr Bedeutung. Die
Armenier
dienten mit ihren Truppen ihren Herren, so 546 v. C. Kyros I. gegen
Lydien.
Ein Aufstand der unterworfenen Völker gegen Persien misslang.
Darius
I. behielt 518 v. C. die Oberhand. Auch 366 v. C. gab es einen
missglückten Aufstand von König Jerwant I. gegen seinen
Schwiegervater, den persischen
Achaimenidenkönig Xerxes II., mit dessen Tocher Jerwant
verheiratet
war. Jerwant II. war ab 344 v. C. Satrap Armeniens, nannte sich ab 331
v.
C. aber wieder König von Armenien, wie Bauer berichtet. Die
Armenier
stellten Darius III. 40'000 Soldaten und 7000 Reiter gegen den
Mazedonier
Alexander den Grossen zur Verfügung, verloren jedoch die
Schlachten.
Alexander der Grosse nahm Armenien ein
Armenien wurde darauf zu einer Art Vasallenstaat, als Alexander
verstarb,
und die von ihm aufgebaute Ordnung nicht mehr galt. 312 v. C.
gründete
Seleukos ein neues Reich, welches Syrien und Mesopotamien umfasste. Auf
ihn gehen die Seleukiden zurück. Für Armenien bedeutete der
Kontakt
mit den hellenistischen Staaten (Griechenland) neue Möglichkeiten
für den Handel. Armenien wurde jedoch in vier unabhängige
Königtümer
aufgeteilt, wovon Grossarmenien das Wichtigste war und das Kernland
zwischen
dem Oberlauf des Euphrat und dem Sewansee umfasste. Nordwestlich davon
lag
Kleinarmenien, welches ans Schwarze Meer grenzte. Grossarmenien wurde
nach
dem Tod von Jerwant IV. 200 v. Chr. von Fürst Artasches regiert.
Die Jerwanten-Dynastie wurde damit von der Artaschiden-Dynastie
abgelöst.
Unter Artasches erlebte Armenien ihre grösste Zeit. Die Seleukiden
erlittten 189 v. Chr. eine schwere Niederlage, als sie Hellas
angriffen,
wo sie mit den Römern in Konflikt gerieten.
Die Römer besiegen die
Seleukiden und erkennen Armenien an
188 v. Chr. anerkannte der römische Senat die Unabhängigkeit von Grossarmenien und von Sophene, eines der beiden armenischen Kleinkönigtümern (das andere war Kommagene). Artasches gründete die neue Hauptstadt Artaschat, welche die Jerwanten-Hauptstadt Jerwantaschat ablöste. Religiöses Zentrum war Armawir, wie Bauer berichtet. Armenisch war die Landessrpache, die Oberschicht beherrschte auch griechisch und persisch.
Im ersten vorchristlichen Jahrhundert gab es im Osten Konflikte mit
den
Parthern, einem iranischen Volk. Armenien musste 70 Täler abtreten
um den Frieden zu sichern. Unter dem armenischen König Tigran II.
dem
Grossen (95-55 v. Chr.) kamen Sophene und Kleinarmenien wieder ins
grosse
Reich zurück. Aus strategischen Gründen heiratete er eine
Tochter
des Königs von Pontus, welcher früher auch ein Auge auf das
östlich
liegende Kleinarmenien warf. 88 v. Chr. kamen die 70 Täler wieder
an Armenien zurück, weil der parthische Thron unbesetzt war. Er
eroberte
ferner auch Nord-Mesopotamien. Mesopotamien liegt, wie der Name sagt,
zwischen
den Flüssen, gemeint sind Euphrat und Tigris. Kilikien und
Phönizien
wurden unterworfen, Palästina ergab sich.
Vom bedrohten Rest zum Grossreich
70 v. Chr. war Armenien ein Grossreich zwischen Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und dem Mittelmeer. Tigran der Grosse herrschte nun über ein Gebiet mit 20 verschiedenen Völkern. Kappadokien im Westen Armeniens war mit Rom verbündet. Auch ein Gebiet, welches heute zum Norden Irans gehört, kam dazu. Dort wurde er als "König der Könige" gefeiert. Armenien wurde in 120 Provinzen aufgeteilt. Südwestlich des Wansees baute Tirgran als neue Hauptstadt Tigranakert, viele Deportierte aus den neuen Untertanengebieten wurden dort angesiedelt. Bauer schreibt: "Eine Fehlentscheidung war es allerdings, den Söhnen als künftigen Erben des grossen Reiches eine rein griechische Bildung angedeihen zu lassen."
Das Bündnis Armeniens mit dem König von Pontus führte
zu wachsenden Spannungen mit Rom. Mithridates IV. hatte als König
von
Pontus kurzsichtig römisches Gebiet besetzt. Er wurde gewzungen,
seine Flotte Rom
auszuliefern, Kriegsentschädigung zu zahlen und die Gebiete
zurückzugeben.
74 v. Chr. griff Mithridates erneut das römische Bythinien an. 72
v.
Chr. unterlag er den Römern schliesslich ganz, das blühende
Pontus
wurde verwüstet und kam an Rom. Als Armenien sich weigerte, den
geflohenen
Mithridates auszuliefern, kam es zum Bruch mit Rom.
Die Römer nehmen den Nachbarn
Pontus ein
Armenien wurde 69 v. Chr. bei ihrer Hauptstadt Tigranakert besiegt. Armenien wurde wieder von Artaschat aus regiert. In den Bergen wurden die Römer im Guerillakrieg zermürbt. Aus Armenien brachte der römische Feldherr Lucullus den Kirschbaum und die Aprikose (prunus armeniaca), auch Marille genannt, nach Rom, wie Bauer berichtet. Im Frieden von 66 v. Chr. anerkannte Rom Grossarmenien gegen Tributzahlungen. Ausserdem mussten die von Armenien eroberten Gebiete Syrien, Kilikien, Phönizien, Palästina und Mesopotamien an Rom abgetreten werden.
Rom erlitt 53 v. Chr. im heute zum Norden Iraks gehörenden
Hügelland
eine vernichtende Niederlage gegen die Parther. Neue römische
Truppen
gelangten durch Armenien in ihr Zielgebiet, wobei auch viel
geplündert
wurde. Der armenische König Artawasd II. wurde gefangen genommen
und
nach Alexandria verschleppt. Der Sohn von Marcus Antonius und
Kleopatra,
Alexander, wurde zum armenischenn König ausgerufen. 31 v. Chr.
erhob
jedoch der armenische Adel Artawasd's Sohn Artasches II. zum
König.
Der Entführte Artawasd II. wurde auf Geheiss Kleopatras 30 v. Chr.
umgebracht.
Eingezwängt zwischen Römern,
Medern und Parthern
20-12 v. Chr. wurde Armenien gemeinsam regiert durch Tigran III. und
Tiberus, Schwiegersohn des römischen Kaisers Augustus. Der letzte
Artaschiden-Herrscher
Tigran IV. kam in einem missglückten Bürgerkrieg 8 v. Chr.
um.
Der Aufstand gegen die Römer wurde unterdrückt. In der Folge
wurde
Armenien meistens entweder von Medern oder Parthern regiert.
Armenien die erste christliche Nation
Der erste christliche Missionar in Armenien war der Apostel
Thaddäus
43 n. Chr. Er erlitt wie fast alle Apostel den Märtyrertod. Sein
Grab
liegt im Thaddäus-Kloster aus dem 3. Jahrhundert im Norden Irans.
Auch
spätere Christuszeugen wurden umgebracht, dennoch fand der neue
Glaube
viele Anhänger. 110 n. Chr. wurden nahe dem Berg Ararat 10'000
Christen
um ihres Glaubens Willen umgebracht. Armenien war das erste Land,
welches das Christentum offiziell annahm.
53 n. Chr. kam der Parther Tiridates, ein Arsakide, in Armenien an
die
Macht und begründete eine neue Dynastie. 62 wurden die Römer
zurückgeschlagen,
nachdem diese Artaschat und Tigranakert eingenommen hatten. Die
Armenier
waren auf der Seite des parthischen Herrschers. Die Römer
akzeptierten
dies, verlangten jedoch, dass Tiridates die Krone aus den Händen
des grössenwahnsinnigen römischen Kaisers Nero entgegen nahm.
Nach dem Tod Tiridates I. 112 n. Chr. gab es erneut Konflikte zwischen
Parthern
und Römern um Armenien. 114 n. Chr. wurde Armenien für kurze
Zeit
eine römische Provinz wie Syrien und Mesopotamien, wie Bauer
berichtet.
Als die Römer über zwanzig Jahre später einen Syrer zum
armenischen
Regenten machten, griffen erneut die Parther ein. Die
römisch-parthische
Spannung um Armenien wurde zur Konstante.
König Tiridates III. litt an einer entstellenden Hautkrankheit.
Er liess einen Christen, den er 13 Jahre lang gefangen hielt, weil er
die
heidnischen Götzen nicht anbeten wollte, zu sich kommen. Der
Christ
hiess Gregor und war Arzt. Der König wurde geheilt. Gregor
erzählte
ihm vom christlichen Glauben. 301 n. Chr. liess sich Tiridates und
viele
Adlige taufen. Das Christentum wurde Staatsreligion, Gregor wurde
Katholikos
der Armenischen Kirche. Die Folge dieses Glaubenswechsels war die
politische
Isolierung Armeniens. 311 n. Chr. wollte Rom den neuen Glauben in
Armenien
mit Waffengewalt beseitigen. In Armenien wurden die heidnischen Tempel
zerstört. Gregor besuche Cäsarea. Dort wurde er formell von
Erzbischof Leontius
zum Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche geweiht. Schon
früh
wurden Missionare in die umliegenden Gebiete ausgesandt. Die armenische
Kirche war am 325 auch am Konzil von Nicäa vertreten. Dieses
Konzil
wurde vom römischen Kaiser Konstantin einberufen, welcher 313 in
einem
Toleranzedikt Christinnen und Christen im römischen Reich freie
Glaubensübung erlaubt hatte. In Armenien praktizierten viele
weiterhin ihre heidnischen
Rituale, vieles davon ist im armenischen Christentum, wenn auch
abgeschwächt,
erhalten geblieben.
Konflikt mit den Byzantinern
Ab Mitte des 4. Jahrhunderts entstanden viele Klöster, welche zu Bildungs- und Glaubenszentren wurden sowie auch Sozialwerke, welche sich Armen, Witwen und Waisen annahmen. Zu dieser Zeit gab es Spannungen zwischen dem Katholikos und König Arschak II., der sich gleich mehrere Frauen gönnte. Das byzantinische Reich liess Armenien im Abwehrkampf gegen die Sassaniden im Stich. Armenien hatte eine eigene Kirche und wollte sich der byzantinischen Kirche nicht unterwerfen. Unter einem Vorwand wurde Arschak und seine Getreuen von den Sassaniden gefangen gesetzt. Arschaks Sohn Pap kam an die Macht. Er sah im Christentum einen Grund für die Schwäche Armeniens. Pap löste sogar Klöster auf und liess Mönche verfolgen.
Im Jahr 387 machte Byzanz und die Sassaniden gemeinsame Sache und
teilten
Armenien auf. Der grösste Teil mit dem Kernland zwischen Sewansee,
Wansee und Urmiasee ging an die Sassaniden (Persien). Im geteilten Land
hatte die gemeinsame armenische Kirche eine wichtige Klammerfunktion.
Seit
406 kam die armenische Schrift dazu. Bisher wurden in den Kirche
Bibeltexte
in auf griechisch und syrisch vorgelesen und ins Armenische
übersetzt. Die neue Schrift brachte die Phonetik der armenischen
Sprache aufs Papier.
Dies brachte einen Aufschwung an literarischer und
geisteswissenschaftlicher
Tätigkeit. Vieles wurde ins Armenische übersetzt. Bauer weist
darauf hin, dass viele griechische Texte nur so erhalten geblieben
sind,
indem man sie aufgrund der vorhandenen armenischen Texte
rückübersetzte.
Die Sassaniden spielen ihre Macht aus
Die Sassaniden zwangen Katholikos Sahak zur Aufgabe seines Amtes und dazu, Armenien zu verlassen. Der vom persischen Grosskönig Bahram V. eingesetzte Katholikos wurde in der Bevölkerung nicht akzeptiert. 425 durfte Sahak zurückkehren. 433 fand die armenische Bibelübersetzung in armenischer Schrift ihre definitive Form. Sie wurde und wird als hervorragend gelungenes Werk gepriesen.
Mit dem Tod von König Artasches (423-428) ging die Arsakidendynastie zu Ende. Als Oberhaupt Armeniens setzten die Sassaniden einen Marzpan (Generalgouverneur) ein. In den armenischen Regionen regierten weiterhin die Nacharare, die Feudalherren. Verschiedene Fürstenhäuser hatten verschiedene Aufgaben für den armenischen Staat. Die einen stellten jeweils den obersten Heerführer, andere waren für das Steuerwesen zuständig usw.
Der neue Sassanidenherrscher Yadzegert II. wollte ab 438 in Armenien
das Christentum abschaffen, und die Religion der Feuerläufer, den
Mazdeismus
einführen. Die armenische Widerstandsbewegung wurde von Byzanz im
Stich
gelassen. Im Mai 451 kam es zu einer grossen Schlacht bei Awarair am
Fluss
Dermud. 66'000 armenische Verteidiger standen der persischen Armee mit
300'000
Mann gegenüber. Trotz einer Niederlage der Armenier wurde in den
Bergen
der Partisanenkrieg geführt. 485 gewährten die Sassaniden den
Armeniern wieder Glaubensfreiheit.
Armenien ist armenisch und nicht
katholisch
Um die armenische Kirche zu schwächen, teilten die Byzantiner das von ihnen beherrschte Westarmenien in vier Provinzen auf. Für die armenische Kirche war eine Unterstellung unter die byzantinische Kirche (Ostkirche) nicht denkbar. Der Cäsaropapismus Konstantinopels war ihnen zu stark mit weltlichen Fragen beschäftigt, währenddem sie für ihre armenische Kirche für ihren Glauben einen hohen Blutzoll bezahlen mussten. In Westarmenien wurde das Erbrecht geändert, um das Landesfürstentum zu schwächen. Armenier mussten als Soldaten für Byzanz kämpfen. Der armenische Feldherr Nerses in Diensten Byzanz' hatte in Italien die Ostgoten bezwungen. 529 überschritten die Sassaniden die oströmischen (byzantinischen) Grenzen. Die Armenier konnten dies mangels eigenen Militärs nicht aufhalten. Die Schwächung Armeniens durch das "christliche" Byzanz ging trotzdem weiter. Unter Kaiser Maurikios (582-602) wurden Armenier in den Balkan umgesiedelt, um die Bulgaren abzuwehren. Aus Angst, es könne ihnen so ergehen wie den Armeniern, unterwarfen sich die Georgier dem Patriarchat von Konstantinopel (Byzanz).
Der byzantinische Kaiser Herakleios, welcher 610 an die Macht kam,
war
armenischer Abstammung. Insgesamt waren 24 byzantinische Herrscher
armenischer
Abstammung. Grosse Teile Armeniens gelangten 629 dank
militärischer
Erfolge von den Sassaniden an Byzanz.
Die Araber fallen ein
Eine neue geschichtsbestimmende Grösse in dieser Weltregion kam
im 7. Jahrhundert mit den Arabern auf. 636 fiel Syrien, 638
Palästina.
Nach dem Fall des Perser-Reiches besetzten sie 639/640 auch
Mesopotamien.
640 eroberten die Araber die armenische Hauptstadt Dwin. Die Armenier
mussten
den arabischen Herren mit Geld und Waffenhilfe gehorchen. Da Byzanz
theologische Zugeständnisse von Armenien verlangte, anerkannten
diese die arabische
Oberhoheit an, welche ihnen die freie Religionsausübung
gewährte.
Als 653 das byzantinische Heer bei Kogovit (Beyazit) eine grosse
Niederlage
erlitt, warf Byzanz Armenien unterlassene Hilfeleistung vor. Um die
Wogen
zu glätten, gab es intensivere Kontakte zwischen Armenien und
Byzanz,
was wiederum die Araber verärgerte. Diese nahmen die unter
byzantinischer
Kontrolle stehende westarmenische Hauptstadt Karin ein. In der Folge
unternahm
auch der byzantinische Kaiser Justinian II. (685-695) wieder
Feldzüge
nach Armenien, um die armenische Kirche ihrer Macht zu unterstellen.
Byzanz
wurde weiterhin nicht von christlichem Geist, sondern von
religiöser Machtpolitik regiert. 692 wurde Byzanz von den Arabern
bei Sebastopol erneut
geschlagen, die byzantinische Provinz Armenia Secunda wurde erneut
arabisch
besetzt. Gegen denjenigen armenischen Adel, welcher mit Byzanz
gemeinsame
Sache machte, gingen die Araber mit aller Brutalität vor oder
machten
Geiseln.
Kulturnation Armenien
Trotz diesen massiven äusseren Schwierigkeiten gilt das 7.
Jahrhundert
in Armenien als Hochblütezeit der Architektur, der
Naturwissenschaft
und der Musikkunst. Der Handel und der Kulturaustausch mit den Arabern
wurde
intensiviert. Vieles an der arabischen Kultur kam erst aufgrund der
Kontakte
mit den hochstehenden Kulturnationen wie Armenien, Syrien und Persien
zustande.
Bei den Arabern besonders beliebt waren die armenischen Jagdfalken, die
Seide sowie Kunstwerke aus Kristall, Elfenbein, Silber und Gold. Das
Problem
der gewachsenen arabischen Ansprüche war, dass das Ganze
finanziert
werden musste, was bei den besetzten oder kontrollierten Staaten zu
höheren
Abgaben führte. Durch eine Revolution 749 n. Chr. kamen in
Damaskus
die Abasiden an die Macht und lösten die Omaijaden-Dynastie ab.
Die Hauptstadt wurde nach Badgad verlegt. Dadurch stieg die Abgabenlast
noch
weiter, sodass auch viele armenische Kirchenschätze
geplündert
wurden. Ein armenischer Aufstand 778 n. Chr. wurde blutig
niedergeschlagen.
In Armenien wurde ein neuer arabischer Gouverneur eingesetzt. Viele
armenische
Adelige wanderten darauf nach dem byzantinisch verwalteten Teil
Armeniens aus, wie Bauer berichtet. Aufgrund ihrer Qualifikationen gab
es viele Armenier,
welche in Byzanz in vielen Teilen der Gesellschaft Karriere machten.
Kalif gestattet ein Königreich
Armenien
Mitte des 9. Jahrhunderts gab es erneut Aufstände und Armenien wurde vielenorts verwüstet. 861 wurde vom Kalifen Fürst Aschot Bagratuni als Gouverneur über Armenien, Georgien und des christlichen Landesteils von Albanien (gemeint ist Kaukasisch-Albanien im Norden) eingesetzt. Aschot besiegte ein grosses arabisches Heer, welches vom Kalifen in Samarra (neue Hauptstadt aim Tigris) abgefallen war. Der Kalif gestattete die Erhebung Armeniens zum Königreich, da er mit dem Krieg mit Byzanz beschäftigt war. Armenien musste aber weiterhin Reichstribut abliefern. Die Krönung des Königs fand 885 statt. Auch Byzanz anerkannte das Königreich. Später sollte man von der Bagratiden-Dynastie sprechen. Zu Armenien gehörte auch Grusinien und Kaukasisch-Albanien.
Im 10. Jahrhundert entstand im Süden Armeniens um den Wansee ein eigenes Königreich Waspuragan. Dies geht zurück auf einen Konflit mit dem Emir des arabischen Teil Aserbeidschans, welcher den Tribut in Armenien für das arabische Reich einzuziehen hatte. Armenien brachte durch, dass der Tribut direkt an den Kalifen bezahlt wurde, weil der Emir das Geld für einen Konflikt gegen Armenien missbrauchte. Der Emir brachte beim Kalifen durch, dass der Tribut dafür verdoppelt wurde. Dadurch gelang der König mit den Landesfürsten in Konflikt, was der Emir geschickt ausnützte. So wurde Fürst Gagik von Waspuragan zum König, was sogar von Byzanz anerkannt wurde. Er erklärte seine Krone ausserdem für erblich und unterwarf verschiedene Fürstentümer in der Region. Sein Regierungssitz lag auf der Achtamar-Insel im Wansee. Davon ist die Kirche zum Heiligen Kreuz auf der Insel heute noch erhalten. Politisch bedeutsam war ein Abkommen zwischen Waspuragan und dem aserbeidschanischen Emir Yussuf, denn dieser konnte so militärisch bis Armenien vorrücken. Diese Politik diente nur dem Emir, was der waspuraganische König Gagik zu spät merkte. Armenien wurde militärisch von Yussuf besiegt und König Smbat 914 in Dwin ans Kreuz geschlagen.
Trotzdem gelang es dem neuen armenischen König Aschot II, einem
Sohn Smbats, mit byzantinischer Hilfe - in Byzanz war wieder einmal ein
Armenier Kaiser - Yussuf zurückzudrängen. Unter König
Abas
(929-953), Aschots Bruder, Regierung erlebte Armenien wieder eine Zeit
des
Friedens uns des Aufschwungs. Unglücklicherweise zerstritten sich
Aschots
Nachfolger, sodass Armenien geteilt wurde. Muscheg Bagratuni erhielt
die
Krone für die Provinz Kars, Aschot III. für die Prozinz
Schirak
In der Hauptstadt Ani am Achurian-Fluss (heute an der Grenze zwischen
der
Türkei und Armenien) liess er sich 961 krönen. Ani, wo schon
die
ersten Urartäer hausten, entwickelte sich aufgrund der guten Lage
für
Landwirtschaft und Handel (Verbindung zwischen Schwarzem Meer und
Asien)
rasch, bald wohnten 100'000 Menschen dort, was in jener Zeit sehr viel
war.
Grosse Bauwerke gehen auf den Architekten Tiridates zurück, der
auch
die 989 durch ein Erdbeben zerstörte Hagia Sophia in
Konstantinopel
wieder aufbaute. Bauer schreibt: "Unter dem Bagratidenkönig Gagik
I.
(989-1020) erreichte die Fortführung der Tradition, die durch die
arabische
Invasion so jäh unterbrochen worden war, ihren Höhepunkt. Der
Herrscher übersäte sein Reich geradezu mit Kirchen,
Klöstern
und Kapellen. In Ani entstanden so viele Gotteshäuser, das bald
der
Beiname 'Stadt der 1000 Kirchen' geläufig war." Die Klöster
waren
nicht nur religiöse sondern die Bildungszentren schlechthin.
Der Streit unter den Nachfolgern
zerstört Armenien
Während das Reich von Gagik I. eine Insel des Friedens inmitten
von Krieg und Unruhen war, kam es nach seinem Tod erneut zu
Thronstreitigkeiten.
Johannes Smbat war von 1020-1041 an der Macht. Sein jüngerer
Bruder
Aschot intrigierte gegen ihn zunächst mit Hilfe von Waspuragan,
dann
mit Byzanz. Die Uneinigkeit der armenischen Fürsten war der Anfang
vom Ende Armeniens. Der König musste seinem jüngeren Bruder
einige Provinzen an der georgischen und persischen Grenze abtreten.
Eine neue
Gefahr kam in der Gestalt der Seldschuken-Dynastie. Diese waren
Türken,
welche den Kalifen in der arabischen Hauptstadt Samarra bewachten, dann
aber selber Lust an der Macht bekamen. Waspuragan musste den
Byzantinern
sein Land grossenteils überlassen, bekam dafür die Stadt
Sebaste
in Kleinasien, wo 400'000 Flüchtlinge hinzogen. Als Ani-Armenien
Angriffe
der Seldschuken abwehren musste, nützten die Byzantiner die
Gelegenheit
und konnten erwirken, dass nach dem Tod des Königs Armenien an
Byzanz
überging. 1041 starb der König Johannes Smbat, sein
aufsässiger
kleiner Bruder Aschot im gleichen Jahr. Der neue König Gagik II.
dachte
jedoch nicht an die Erfüllung des Testaments und besiegten ein
byzantinisches
Heer. Unter dem Vorwand einer freundlichen Regelung wurde Gagik in
Kontantinopel 1045 zur Aufgabe seines Königreichs gezwungen.
Ebenso wurde der Katholikos
nach Konstaninopel gelockt und festgehalten. Der Provinz Schirak und
der
Hauptstadt Ani wurden Steuern aufgelegt und der Adel verfolgt. Ihrer
obersten
Führung beraubt machten die Seldschuken immer wieder
Vorstösse,
bis Ani 1064 fiel. König Gagik wurde mit neuen Besitzungen in den
Taurusbergen
in Kilikien (im Süden der heutigen Türkei in der Nähe
des Mittelmeers) abgespiesen, wohin ihm viele Armenier folgten.
Armenien in
seiner bisherigen Form hörte damit praktisch auf zu existieren.
Armenien ist weg und die Seldschuken
dringen vor
Die politische Dummheit von Byzanz wurde bald sichtbar. Die Zeit des "christlichen" Kleinasiens ging vorbei. Die Seldschuken fanden keine armenische Verteidigungslinie mehr. Ab 1065 belagerten sie die Grenzfestung Edessa (welches von den Parthern gegründet wurde) östlich des Euphrat-Flusses, 1066 wurden die Pässe des Amanos-Gebirges besetzt und 1067 eroberten sie kappadokische Hauptstadt Cäsarea. Der grösste Teil Kleinasiens kam unter seldschukische Herrschaft und 1071 wurde den Byzantinern bei Mantzikert eine vernichtende Niederlage bereitet. Mit der Ermordung König Gagik II. 1079 fand die armenische Bagratidendynastie ihr Ende.
In Kilikien erhoben sich armenische Fürsten gegen Byzanz und eroberten neue Gebiete. Kilikien wurde weitgehend armenisch, die führenden Dynastien waren die Rubeniden und die Hetumiden.
Grossarmenien kam unter die Regierung des seldschukischen Sultans
Alp
Arslan. Die Regionalverwaltung wurde von armenischen Lokalfürsten
übernommen,
welche nicht nach Kilikien gezogen waren. Ani wurde wieder aufgebaut,
viele
Gebiete wurden jedoch vom Norden her durch einfallene Turkmenen erobert.
Armenien zur Kreuzzugs-Zeit
Eine ganz neue geschichtliche Grösse hob durch die Kreuzzüge an. 1095 bat Byzanz Rom um Hilfe gegen den islamischen Einfall. Am 27.11.1095 rief Papst Urban II. dazu auf, Palästina und Jerusalem den Seldschuken zu entreissen. Aus ganz Europa trafen Kontingente ein. 1097 erlitten die Türken in Nicäa eine verheerende Niederlage. Während das Hauptheer die kappadokische Hauptstadt Cäsarea im Inneren Kleinsasiens zu befreien suchte, eroberten andere Tarsus und befreite die Armenier. Die Armenier unterstützten die Kreuzfahrer, umgekehrt nahmen die Europäer armenische Kultureinflüsse mit nach Hause. Auch Antiochia wurde befreit.
Ein schlimmes Ereignis geschah im Jahr 1099 und sollte das Aussenbild über das Christentum bis auf den heutigen Tag negativ beeinflussen: Genozid im Namen Christi, welch eine Verspottung Gottes! Die Kreuzritter erreichten im Sommer 1099 Jerusalem und richteten unter den vorwiegend islamischen Einwohnern ein Gemetzel an. Als Kreuzfahrerstaat entstand daraus das Königreich Jerusalem mit Vasallenstaaten in Tripolis, Antiochia und Edessa. Der dritte König von Jerusalem, Balduin II. von Le Bourg (1118-1131) heiratete eine Armenierin. Das armenische Kilikien und die Kreuzfahrerstaaten halfen sich gegenseitig auch bei anderen militärischen Eroberungen.
Wie schon oft in der armenischen Geschichte gab es Krieg aufgrund von Streitigkeiten unter den armenischen Fürsten. Davon geschwächt konnte Byzanz einmarschieren und Kilikien von 1137-1145 unter seine Gewalt bringen. 1144 wurde Edessa von den Türken erobert. Die Franken wurden niedergemacht, Syrer und Armenier verschont. Ein weiterer Kreuzzung von 1147-1149 scheiterte, das "christliche" Byzanz verbündete sich mit den Türken. Im Frieden von 1158 wurde Kilikien wieder selbständig, musste aber die byzantinische Oberhoheit anerkennen. Abtrünnige armenische Fürsten griffen byzantinische Besitzungen an, der König von Jerusalem musste vermitteln. 1187 wurde das Gebiet der Rubeniden-Dynastie auf Kosten der Hetumiden erweitert. In der Folge sollte Kilikien eine Blütezeit erleben.
1187 wurde Jerusalem von Sultan Salah ad-Din erobert. Den armenischen Christen wurde in Jerusalem die Jahrhunderte alten Rechte zur freien Religionsausübung bestätigt. Der römische Papst Clemens III. (1187-1191) rief zu einem erneuten Kreuzzug auf, um Jerusalem von den Moslems zu befreien. Byzanz hatte jedoch mit dem Sultan ein Bündnis geschlossen. Dennoch marschierten die Kreuzfahrertruppen unter dem Deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa durch Kleinasien. Der Kaiser ertrank am 10.6.1190 in einem Fluss. Englische und französische Truppen vereinigten sich bei Akkon, dessen Festung sie 1191 eroberten, zerstritten sich aber.
Der Rubeniden-Fürst Leon wurde im Beisein eines päpstlichen Legaten (von Rom) durch den armenischen Katholikos in der Kathedrale von Tarsus am 6.1.1199 zum König von Kilikien gekrönt. Auch Abgesandte des Kalifen waren zugegen. Titel und Rangbezeichnen wurden durch europäische Titel ersetzt. Bauer: "Der Titel Baron hat sich im armenischen Sprachgebrauch bis heute als männliche Anrede erhalten. Für den armenischen Adel und Klerus war es üblich, neben Armenisch und Griechisch auch Latein und Französisch zu beherrschen." In der Folge blühte der Handel von und nach Kilikien aufgrund der wichtigen Lage zwischen Europa und Asien auf. Die Nachfrage blühte nach Gütern, welche in Kilikien (auch Kleinarmenien geheissen) gehandelt wurden, auch in Westeuropa durch die veränderten Konsumgewohnheiten der zurückgekehrten Kreuzfahrer auf. Die kilikischen Zollämter nahmen reichlich Abgaben ein, die entweder voll oder aufgrund von Freihandelsverträgen mit Venedig, Genua und Sizilien teilweise berechnet wurden. Als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs setzte auch ein kultureller und wissenschaftlicher Aufschwung ein. Der armenische Arzt Mechitar Geratzi entdeckte als erster die Ansteckungsgefahr bei Infektionen.
Auch ein vierter Kreuzzug schlug fehl, was ein Machtvakuum erzeugte. Als Folge erstarkten die Türken wieder, die Einfälle der Mongolen unter Dschingis-Khan, welche von China über Nordpersien kamen, verwüsteten Grossarmenien. Dank eines am Schwarzen Meer ausgehandelten Abkommens mit den Mongolen blieb Kleinarmenien in Kilikien verschont. Doch von Süden her überfielen die Mamelucken Kilikien. Die Mamelucken waren ursprünglich Leibwächter, welche sich oft aus weissen Sklaven emporgedient haben. Der Westen half Kilikien nicht, nach einem erfolglosen sechsten Kreuzzug war für ein solches Unterfangen niemand mehr zu gewinnen. 1289 war Tarsus gefallen, Edessa, Jerusalem und Antiochia gehörten wieder den Türken. Die einzigen Verbündeten in der Nähe war der Kreuzfahrerstaat Zypern, welche durch königliche Verwandtschaft mit Kleinarmenien verbunden war. Trotzdem wurde Tarsus zurückerobert.
Mit Hilfe von Zypern gab es im 14. Jahrhundert auch Siege zu
verzeichnen,
doch wurde Zypern dann selber von den Genuesen verwüstet. Von
Norden
her drängten turkmenische Horden nach Kilikien. Dem
vielfältigen
Druck war Kleinarmenien nicht mehr gewachsen und wurde besetzt. Die
Hauptstadt
Sis fiel 1375. Der letzte König, Leon V., starb 1393 im Pariser
Exil.
1453 fiel Byzanz durch die Einnahme Konstantinopels durch den
osmanischen Sultat Mohammed II. .
Die Mongolen und das Erdbeben
In Grossarmenien wurde 1236 die frühere armenische Hauptstadt Ani durch die Mongolen verwüstet, 1319 besorgte ein Erdbeben den Rest. Viele Mongolen, die traditionell dem Schamanentum huldigten, wurden Moslems. Eine neue Welle von Mongolen ab 1379 überflutete Armenien, was viel Zerstörung und Leid brachte. Auch gegen die Seldschuken zogen die Mongolen zunächst erfolgreich zu Felde.
Religiös wollten die Armenier das Katholikosat vom
bedrängten
Kilikien 1441 zurück ins grossarmenische Etschmiadzin
zurückverlegen.
Der Katholikos aus der kilikischen Hauptstadt Sis wollte jedoch nicht
auf
seine Position verzichten, sodass es seither zwei Katholikoi gibt.
Mohammed
II. holte viele Armenier nach Konstantinopel. Ein armenischer Bischof
war
dort religiöses Oberhaupt aller nicht-orthodoxen Christen. Viele
Armenier
wurden aufgrund ihrer Qualifikationen Staatsbedienstete.
Die Eroberung durch die Osmanen
1512 eroberten die Osmanen das östliche Armenien, welches von den persischen Safawiden gehalten wurde. Weiter besiegte Sultan Selim I. die Mamelucken, eroberte Kilikien, Ägypten und andere Gebiete in Nordafrika. Selim I. siedelte mohammedanische Kurden im Gebiet des Wansees an, was zu schweren kulturellen Konflikten mit den Armeniern führte. Armenien wurde Ende des 16. Jahrhunderts wieder von den Persern erobert, dann von den Osmanen wieder zurück gedrängt, was jedesmal mit Verwüstungen einherging. Viele Armenier wurden nach Persien und Afghanistan (Kabul-Gebiet und Belutschistan) deportiert. Die Herkunft ihrer heutigen Nachfahren ist noch heute an der Art der Schmuck- und Teppicharbeiten erkennbar. Die Armenier haben die Teppichknüpfkunst vieler Länder beeinflusst oder die Teppichmanufakturen erst begründet wie in Isfahan. 1605 wurde die blühende armenische Handelsstadt Dschulfa an den Ufern des Araxes durch Schah Abas I. zerstört und die Umsiedlung der ganzen Bevölkerung nach Isfahan umgesiedelt. Immerhin wurde ihnen die religiöse Freiheit zugestanden. Auch im Bereich der Gold- und Silberschmiedekunst war der Ruf der Armenier legendär, wie Bauer berichtet. In Konstantinopel gründeten Armenier die ersten Buchdruckereien.
Ost-Armenien blieb lange Zeit Schauplatz der
türkisch-persischen
Kriege. Erst die Russen unter Zar Nikolaus I. befreiten einen
wesentlichen
Teil Grossarmeniens 1828. Die Türkenherrschaft war hier
bedrückender
als anderswo. 1829 wurde im Frieden von Adrianopel Armenien wieder
preisgegeben
und die Armenier fielen der Rache der Türken anheim. Nach Russland
geflohene Armenier erlebten bessere Bedingungen als bisher, die
russisch-orthodoxe
Kirche bedrückte jedoch die armenische Kirche. 1867 schlug die
armenische
Stadt Zeytun mit 13'000 Einwohnern ein anrückendes türkisches
Heer, das viel grösser war.
Genozid an den Armeniern
Das dunkelste Kapitel in der Geschichte Armeniens ist der Genozid an
den Armeniern durch Türken und Kurden. Dieser Genozid war ein
"Vorbild"
für die spätere, industrialisierte Massenvernichtung der
Juden
durch die deutschen Nationalsozialisten in den 1940er Jahren.
Äusserer Anlass war die militärische Hilfe von wenigen
Armeniern mit Russland, die mit den Türken im Krieg lagen.
Heute ist Armenien nach der Loslösung aus der zerfallenen Sowjetunion wieder ein unabhängiger Staat. Wie den Griechen und den Juden gelang es den Armeniern dank ihrer Religion und trotz Fremdherrschaft, Zerstreuung und Unterdrückung so etwas wie eine kulturelle Kernidentität zu bewahren, welche als Kondensationspunkt für die erneute Nationswerdung in unserem Zeitalter diente. Ohne die starke Religion wäre dies nicht möglich gewesen. Verständlich, dass in allen diesen drei Ländern, Griechenland, Israel und Armenien, Angehörige anderer Religionen oder Konfessionen manchmal etwas schief angeschaut werden. Aufgrund ihrer Geschichte sehen sie im Fremden verständlicherweise den Verrat an sich, was durch neuere Konflikte wie Zypern, Palästina oder Berg-Karabach immer wieder von neuem genährt wird. Trotzdem darf man von der armenischen Kultur insgeamt von einer toleranten Kultur reden. Viele Völker haben in Armenien ihre Spuren hinterlassen, die Armenier sind selber ein Mischvolk von sehr unterschiedlichen Einflüssen. Sie haben gelernt, das Fremde zu integrieren und als Bereicherung zu empfinden. Damit kann die Rolle des modernen Armeniens diejenige eines Vorbildes sein für andere Völker und Länder in dieser Weltregion.
Auch die Geschichte von Urartu und dem früheren Armenien wird
spannend
bleiben. Die Archäologie hat dort eine grosse Zukunft, vieles ist
noch
unentdeckt geblieben.
Quellen (u.a.):
Bauer Elisabeth, Armenien - Geschichte und Gegenwart, Reich Luzern
1977, ISBN 3-7243-0146-4
Pjotrowski, B. B., Urartu, Nagel München 1969, ISBN 2826304682,