Kreationismus

Schöpfungslehre und Kreationismus-Soziologie

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Schöpfung

Kreationismus ist eine Fremdbezeichnung. Sie bezeichnet Menschen, welche an die Schöpfung, wie sie in der Bibel steht, glauben. Creatio ist lateinisch und heisst Schöpfung. Für Christinnen und Christen ist die ganze Bibel wahr, also auch die Schöpfungsgeschichte in sechs Tagen. Sie bezeichnen sich nicht als Kreationisten, sondern nach ihrem Herrn Jesus Christus einfach Christen.

Die sechs Schöpfungstage als sechs Zeitalter, statt als Tage, zu verstehen, ist nicht naheliegend. Zwar steht geschrieben, dass vor Gott tausend Jahre sind wie ein Tag und ein Tag wie tausend Jahre. Diese Aussage gilt aber, um zu beschreiben, dass Gott ausserhalb unserer Zeit-Wirklichkeit steht. In der Schöpfungsgeschichte ist von Tagen die Rede und nicht von Zeiten, wie anderswo, wo es um Zeitalter geht. Die Formulierung "Und es wurde Abend und es wurde Morgen" weist ebenso darauf hin.

Sonne, Mond und Sterne wurden erst am vierten Tag erschaffen. Hingegen der Himmel, die Erde und das Licht wurden schon am ersten Tag erschaffen. Das heisst, die Erde ist älter als die Gestirne. Die Bibel lehrt ein theozentrisches Weltbild, weil Gott selber der Ewigseiende und das Zentrum von allem ist. In unserer materiellen, diesseitigen Welt, ist die Erde das Zentrum. Die Bibel lehrt in dieser Hinsicht ein geozentrisches Weltbild.

Gott hat die Gestirne gemacht, als Zeichen der Orientierung für die Menschen und auch als Zeichen Seiner Grösse. Damit hat er auch die Lichtstrahlen von den Sternen zur Erde gleichzeitig erschaffen. Denn was würden Sterne nützen, wenn es Millionen von Jahre geht, bis das Licht auf der Erde ankommt? Wenn einst in der Zukunft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde machen wird, kommt das himmlische Jerusalem auf die Erde herunter. Dann wird Gott selber das Licht sein.

Gott hat am fünften Tag die Tiere gemacht. Futterpflanzen entstanden jedoch erst nach den sieben Tagen der Schöpfungsgeschichte. Die Tiere hatten nur kurze Zeit nichts zu fressen. Wenn die Tage Tausende von Jahren wären, wären sie verhungert.

Gott ist der Schwerpunkt aller Wirklichkeit und damit auch der Zeit. Er ist gegenwärtig und ewig zugleich. Man kann nicht fragen, wie alt Gott sei. Denn das ist eine materialistische Frage. In der Nähe Gottes ist die Gegenwart und nicht die Zeit in dem Sinne, wie wir sie verstehen, obwohl es auch dort einen Zeitablauf gibt. Deshalb berichtet die Bibel auch, dass Gott alt an Tagen sei.

Aus dem technisch-wissenschaftlich errechneten Alter von Gesteinen, die Millionen oder Milliarden Jahre alt sind, folgert die weltliche Wissenschaft, das Universum und die Erde müsse auch so alt sein. Aber man kann es auch anders ansehen. Das optische Alter der Gesteine erinnert daran, dass der, der das Ganze aus dem Nichts erschaffen hat, offenbar alt an Tagen sein muss.

Evolution oder Schöpfung

Ein Gedankensprung. Wir alle kennen aus der Geschichte die Französische Revolution: Wie an vielen Orten war auch das religiöse Establishment in Frankreich Teil der Unterdrückungs-Ordnung, so sehr sich einzelne Geistliche sehr wohl und intensiv und aufopfernd um arme Menschen gekümmert hatten. Als Folge der Unterdrückung kam die Französische Revolution. Aber die Revolution war zu extrem. Neu galt nicht mehr Gott, sondern die Vernunft als Mass aller Dinge. In der Bibel steht jedoch, man soll mit ganzem Willen, Kraft, Gemüt und Verstand Gott nachfolgen.

Im 19. Jahrhundert baute Charles Darwin und andere ein Überzeugungs-System auf, welches die Abstammung der Arten voneinander postulierte. Daraus wurde der Darwinismus entwickelt. Der Mensch habe sich aus dem Tier entwickelt.

Aus der Bibel wissen wir, dass der Mensch von Gott geschaffen wurde (Adam und Eva). Ein jedes Tier wurde nach seiner Art geschaffen, wobei der biblische Begriff "Art* nicht deckungsgleich ist mit dem, was wir heute in der Biologie unter "Art" verstehen. Die Art in der Bibel ist ein Grundtyp, aus der sich durch geographische und genetische Isolation die verschiedenen Arten entwickelt haben. So gab es in der Schöpfung wahrscheinlich nur eine Art von Hund oder Wolf, aus dem sich später die Unter-Arten entwickelt haben. In diesem Sinn gibt es eine biblisch zu verstehende Mikro-Evolution innerhalb des Schöpfungs-Paradigmas.

Mit dem Darwinismus schwand der Schöpfungsglaube, auch unter vielen, die sich als Christen verstanden. Die heidnische Überzeugung, der Stärkere hätte das Recht, über den Schwächeren zu herrschen, wurde durch den Darwinismus zusätzlich angeheizt. Und das wiederum hatte in der Gesellschaft fatale Auswirkungen bis auf den heutigen Tag, die aufzuzählen schon ein eigenes Unterfangen wären. Natürlich hat das Darwin selber nicht vorausgesehen und auch nicht gewollt.


Evolution im Schul-Unterricht

Zu früheren Zeiten, als sich der grosse Teil der Bevölkerung in irgend einer Art zum Christentum bekannte, wurde an den öffentlichen Schulen die Bibel und damit auch die Schöpfung gelehrt und nicht die Evolution. Durch den Darwinismus begann sich dies aber zu ändern und es kam in den christlichen Ländern oft zum Streit. Die Schöpfung wurde zunehmends nur noch im religiösen Unterricht oder in der Sonntagsschule gelehrt.

In den USA war es ungefähr Ende des 19. Jahrhunderts nur noch in vier Staaten verboten, die Evolution an den Schulen zu lehren. Einer der Staaten war Tennessee. Ein Biologielehrer las trotz Verbot aus einem Evolutionsbuch vor und es gab 1925 einen Prozess gegen in, der landesweite Beachtung erfuhr. Die Kreationisten erfuhren eine durch die Massenmedien verursachte psychologische Verurteilung. Paulus würde hier wohl sagen, dass man sich über den Widerstand freuen soll, denn Jesus Christus hat auch für uns gelitten. Warum können wir nicht einmal auch ein bisschen für ihn leiden, um ihn zu bekennen. Die Evolutionisten soll man nicht hassen. Jesus hat gelehrt, dass wir alle Menschen lieben sollen. Gott liebt die Evolutionisten als Menschen genau so, auch wenn Er ihre Lehre hasst, da wo sie falsch ist und da wo sie Menschen von Gott wegführt.

Weil der Staat weltanschaulich neutral bleiben muss, damit der soziale Friede unter den gesellschaftlichen Teilgruppen gewährleistet bleibt, dürfen die Schulen und damit auch nicht die Schulbücher eine einseitige Position einnehmen. Bezüglich der Evolutionslehre sind viele Schulen einseitig parteiisch, was es zu korrigieren gilt. Daher kann der Weg nicht unbedingt darin liegen, dass in den öffentlichen Schulen der Schöpfungsglaube neben der Evolution gleichberechtigt wird, sondern dass eventuell beide nicht mehr vorkommen.

Die Abstammungsgeschichte zu vermitteln, ist im Prinzip Aufgabe des Religionsunterrichts und des Weltanschauungsunterrichts. Vielleicht gibt es an den Schulen neben dem Unterricht in biblischer Geschichte einst auch ein Freifach evolutionistische Geschichte, das wäre ein Ausweg. Der Hauptunterricht muss weltanschaulich neutral bleiben und wissenschaftlich orientiert, damit er den Schüler/innen aus allen Hintergründen gleich gut offen steht und niemand aufgrund seines Glaubens oder seiner Herkunft ein Bildungsnachteil hat. Das wäre auch für die Integration in die Gesellschaft und die Wirtschaft schlecht. Hingegen lässt sich Evolutionsglaube und Schöpfungslehre bzw. die nicht streng wissenschaftlichen Teile daraus auch in einem Weltanschauungsunterricht an öffentlichen Schulen unterbringen.


Wissenschaft oder Weltanschauung

Die Wissenschaft ist für einen überaus wichtigen Wirklichkeits-Ausschnitt zuständig, denn die ganze Technik und damit auch die moderne Zivilisation fussen darauf. Wissenschaft darf daher nicht vermischt werden mit Weltanschauung oder Religion, sondern muss seine eigenen Plausibilitäts-Strukturen bilden, mit exakten, transparenten und nachprüfbaren Ergebnissen. Was Wissenschaft ist, muss die Wissenschafts-Gemeinde selber definieren. Es ist nicht Aufgabe der Politik oder der Kirche, sich hier anmassend einzumischen.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich über die Entstehung der Welt und die Frühgeschichte des Menschen nur relativ wenig sagen, das fix ist. Wenn bei Datierungs-Untersuchungen je nach Datierungs-Art ein Stein mehrere hundert Millionen Jahre älter oder weniger alt ist, bedeutet dies, dass die ganze Methode nicht plausibel ist. Die sogenannte C14-Messmethode geht davon aus, dass C14 eine bestimmte Halbwertszeit hat. Man kann aber nicht sagen, ob in der Geschichte der Welt, diese Halbwertszeit immer gleich war. Es ist nur eine Annahme. Die Messungen bzw. ihre Interpretationen fussen also auf gewissen Annahmen, und nicht auf Beweisen.

Aber das müssen die Wissenschafter diskutieren. Aus christlicher Sicht darf man einen Naturwissenschaftler nicht kritisieren, wenn er aufgrund seiner exakten Methoden, die er gelernt hat, seine professionellen Messungen vornimmt und zu entsprechenden Ergebnissen kommt, die mit der Bibel nicht oder offenbar nicht übereinstimmen. Vielmehr ist es dann Aufgabe der Christen, auf einer weltanschaulich-philosophischen Ebene basierend auf der Bibel, darauf hinzuweisen, was die Wissenschaft möglicherweise nicht wissen kann, weil es in der Bibel klar gesagt ist.

Viele Evolutionisten machen aufgrund der exakten wissenschaftlichen Messungen den Fehler, ihre Art von Interpretation der Messungen als wissenschaftliche Tatsache hinzustellen. Diese Überzeugung trägt zu einer Identität bei, welche ohne ein Gottesbewusstsein auskommt, also der Selbstvergottung des Menschen dient, in letzter Konsequenz. Vielen Evolutionisten ist das offenbar nicht klar. Deshalb macht es keinen Sinn, sie christlich-fundamentalistisch zu beschimpfen. Die Liebe ist gefragt, nicht die Polemik.

Wissenschaftler haben ein evolutionistisches Paradigma oder ein kreationistisches, wenn es um die Herkunfts-Fragen der Menschheit geht. Sie alle sind verpflichtet, zwischen Annahme, Interpretation und Faktizität zu unterscheiden und es offen und ehrlich zu deklarieren, was jetzt was ist. Wer seine Weltanschauung als Wissenschaft verkauft, muss von der Welt der Wissenschaft selber fachlich und sachlich korrigert werden.

Wissenschaft und Glaube senden auf dem Frequenzband der Wirklichkeitsaneignungs-Kultur an unterschiedlichen Orten, obgleich es punktuell Überschneidungen geben kann und man beide Sphären nicht gegeneinander ausspielen darf.

In den Zehn Geboten ist es verboten, sich ein Bild zu machen, von dem was auf Erden oder im Himmel ist. Damit ist gemeint, man soll sich nicht ein Götze schnitzen, den man anbetet. Wieso soll ein schaffender Mensch ein von ihm erschaffendes Götzenbild anbeten? Das macht keinen Sinn und gibt nicht dem einzigen Gott die Ehre. Auch Ideologien und Gedankensysteme können solche Götzenbilder sein. Die weltliche Lehre von der Evolution alles Seins ist zum Götzenbild geworden, weil viele Menschen lieber dieser Ideologie vertrauen, als das, was Gott in der Bibel und durch die Bibel lehrt. Man kann mit wissenschaftlich-irdischen Hilfsmitteln nicht alles ergründen, was ist. Die Wahrheit ist zu komplex, um in dieses enge Schema eingepresst zu werden. Auch die Bibel sagt uns nicht alles. Wenn Gott uns vielmehr sagen würde, wäre die Bibel so dick geworden, das sie diese Verbreitung nicht gefunden hätte und viele Menschen wären im Dunkeln ihrer Irrtümer geblieben.

Auch die Wissenschaft muss immer wieder selbstkritisch sein und sich selber prüfen, wo sich Ideologien eingemischt haben, die mit exakter, von anderen nachprüfbaren und messbaren Wissenschaft nichts mehr zu tun haben.


Religion oder Christus

Religion und Glaube ist nicht immer deckungsleich. Jesus Christus kritisierte selten die Ungläubigen, sondern vor allem die religiösen Führer, welche nach Sinn suchenden Menschen den Weg zu Gott durch ihre Religion versperrten und sie zudem wirtschaftlich ausplünderten.

In der Christentums-Geschichte hat sich die Religion immer wieder vom Evangelium entfernt. Jesus sagt, man erkenne die Christen daran, ob sie Frucht bringen für Jesus Christus und ob sie sich als Christen verhalten. Jede Christin und jeder Christ weiss aus dem eigenen Leben, wie schnell es passiert, sich vom Evangelium zu entfernen. Wer als Christ leben will, wird in allen Fragen die Bibel als obersten Massstab nehmen, mindestens in denjenigen Fragen, welche die Bibel selber thematisiert.

Es gibt Menschen, die sagen, wer für den Kreationismus sei, sei auch für Kreuzzüge oder terroristischen Fundamentalismus. Doch kann man Pazifisten, welche ihre Religionsfreiheit ausleben, einfach gleich stellen mit Gewalttätern? Natürlich nicht. Die Kreuzzüge im Mittelalter waren nicht eine Folge von christlichen Überlegungen, sondern die Folge eines Papstes, der von den französischen - kirchlich wahrscheinlich getauften - Atheisten als Marionette im Vatikan eingesetzt wurde. Die ersten Fundamentalisten im frühen 20. Jahrhundert waren überzeugte Christen, welche sich gegen den Atheismus auf der Kanzel wehrten. Aber die neuheidnische Öffentlichkeit hat den Begriff ins Gegenteil verkehrt. Heute gilt Fundamentalismus vielenorts als Synonym für eine ewiggestrige Haltung oder für Terrorismus. Der Glaube an die Bibel und damit auch das, was man von ausserhalb des Christentums als Kreationismus bezeichnet, ist eine Folge des persönlichen Gewissens. Und so weit es die öffentliche Äusserung von Überzeugungen betrifft, ist es auch ein Kind der Religionsfreiheit. Jesus ist in die Welt gekommen, um die Menschen zu befreien.

In den USA ist das evangelisch-konservative Umfeld rund um Evangelikale und Fundamentalisten zur Volksbewegung geworden. In Europa wird dies vielleicht auch mal der Fall sein, aber in einem geringeren Ausmass. Die Gefahr einer Volksbewegung liegt in der Verwässerung oder teilweise sogar in der Umkehr der ursprünglichen Absicht ins Gegenteil. So ist es auffallend, wie politisch einseitig diejenigen Christen in den USA oft sind, welche auch an die Schöpfungsgeschichte der Bibel glauben. Sie entstammen oft einer Schicht, die auch gesellschaftlich sehr konservativ oder gar reaktionär ist.

Massgebend für einen Christen ist immer die ganze Bibel und man muss hier daran erinnern, dass die Bergpredigt von Jesus mit dem Aufruf zur Friede und Versöhnung nicht nur eine der grössten Predigten war, sondern auch die grösste politische Rede aller Zeiten. Und warum sagt Paulus "Prüfet alles und das Gute behaltet!"? Er sagt das zwar im Bezug auf den Glauben, aber es hat auch eine generelle Gültigkeit. Kann man als Christ politisch links oder rechts sein? Vielleicht mal eher so und mal eher anders. Aber im Grossen und Ganzen ist ein Christ wahrscheinlich in der politischen Mitte, weil er sich nicht den Ideologien von links und rechts anschliessen mag und solange Mitte nicht selber zur Ideologie erstarrt.

Der Evolutionismus ist wohl zu hinterfragen. Aber ein Kulturkampf könnte dazu führen, dass viele Menschen in ihrem Geist verwundet werden und dass der Geist Christi als Geist des Friedens nicht mehr gefragt ist. Möge das nicht geschehen. Wir dürfen eins nicht vergessen. Wenn die Evolution nicht mehr zur Identität der Menschen beiträgt, was ist es dann? Bei denjenigen, die nichts von Jesus Christus wissen wollen, der Nationalismus, der Rassismus oder sonst etwas Schlimmes? Wir Christen müssen uns zu Jesus Christus bekennen und darin, gerade weil wir ihn bekennen, Vorsicht, Taktgefühl und Behutsamkeit lernen.


Die Bibel, die Evangelischen und die Fundamentalisten

Es hat immer Menschen gegeben, die Teile der Bibel nicht als wahr gelten lassen wollen, auch in Kreisen, die sich evangelisch nennen. Evangelisch kommt ja von Evangelium und meint damit Jesus Christus, der Sohn Gottes, der sich zur ganzen Bibel und seiner göttlichen Inspiriertheit bekennt.

Wir alle dürfen nicht zu einer christlichen Gesellschaft beitragen, wo jeder nur noch das von der Bibel akzeptiert, was er möchte. Natürlich, ein Stück weit machen wir das alle. Wir sind Sünder und hören nicht auf Sünder zu sein, bis wir sterben und in Christus auferstehen.

Die Bibel ist nur ganz wahr. Eine christlich sich nennende Alternative dazu gibt es nicht. Auch die Fundamentalisten haben die christliche Botschaft nicht ganz verstanden. Die Bibel lehrt die Nächstenliebe. Die christlichen Fundamentalisten lehren, die Bibel sei irrtumslos. Das glauben ja im Grunde genommen sehr viele Christen. Es gibt Christen, die Gott noch nicht so stark vertrauen, und sie können nicht alles glauben, was die Bibel lehrt. Sie sind noch nicht so weit. Aber was die Fundis daraus machen, ist falsch. Sie gehen hin und verachten diese Christen, welche in ihrem Vertrauen noch nicht so reif geworden sind. Dabei lehrt doch die Bibel ausdrücklich, dass man niemandem den Glauben zerstören soll. Jeder Christ war doch mal Früh-Christ. Das Schlimmste, was ein Mensch tun kann, ist, jemandem seinen Glauben an Gott zu zerstören. Hier gibt es in der Bibel wirklich sehr deutliche Aussagen, die das bestätigen.

Und hier liegt der Zielkonflikt. Diejenigen Christen, welche nicht von der ganzen Bibel überzeugt sind, haben Angst vor denen, die noch mehr verlangen, um ihren Glauben zu beweisen. Doch wie kann man Glauben beweisen? Und die Konservativen ihrerseits haben Angst vor denjenigen Christen, welche der Bibel nicht ganz vertrauen. Dies untergräbt ihren Glauben an Gott und die Bibel. Und so sind sich beide Denk-Richtungen oft nicht grün.

Hier sehen wir einen klassischen Zielkonflikt. Diese beiden Richtungen von Christen werden wohl kaum zusammenarbeiten können, weil sie sich dauernd weh tun werden. Es sei denn, sie tun das, was die Bibel lehrt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Jeder Christ steht in seinem Glauben wieder an einem anderen Ort. Darüber kann man nicht zu Gericht sitzen. Das kann nur Gott gerecht entscheiden. Und wir können als Christen Gemeinschaft feiern, ohne uns gegenseitig zu kolonialisieren.

Natürlich braucht es Organisationen, die den Glauben an die Vertrauenswürdigkeit der ganzen Bibel aufrecht erhalten wollen und darum ihre Mitglieder sehr sorgfältig auswählen. Das ist absolut legitim und sogar nötig, sonst würde zuviel der biblischen Wahrheit an die Beliebigkeits-Kultur anheim fallen und von ihr zertreten werden. Jedoch darf man den Glauben an die Irrtumslosigkeit der Bibel oder wie man das immer auch nennen mag in den Kirchen und anderen Gemeinschaften und auch in den meisten christlichen Organisationen, nicht zum Killer-Kriterium erheben, wer dabei sein darf und wer nicht. Das wäre eine unnötige Engführung.

Von der christlichen Gemeinde wird in der Bibel nur erwartet, dass sie sich von denen trennt, die offensichtlich und absichtlich in einem Ausmass sündigen, dass sie die ganze Gemeinde verderben würden, wenn sie blieben. Oder es wird auch gelehrt, dass man als Christ den guten Umgang pflegen soll und sich nicht in schlechte Gesellschaft begeben. Wie das ein einzelner ausgestaltet, ist jedem selber überlassen. Das kann man nicht generell definieren, weil es in jedem Fall wieder einzigartig ist. Soll jemand von der christlichen Gemeinde ausgeschlossen werden, weil er an die Evolution und nicht an die Schöpfung glaubt? Natürlich nicht. Die Bibel lehrt das nicht. Die Gemeinde ist ja der Ort, wo der Glaube wachsen kann. Sonst müsste man jeden aufgrund irgend einer Sünde oder Unreife ausschliessen. Und wer würde dann das Licht löschen? Man müsste ja direkt einen Atheisten dafür aufbieten ...