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Evangelisch-Soziale Parteigruppe © 1993-2004
Schlussredaktion: Rolf Strasser
Konservative Protestanten und die Politik
Die Schweiz hat das Zwei-Kammern-System der USA übernommen, welches schon bei einem Indianerstamm praktiziert wurde. Das Parlament ist geteilt in eine Kammer mit Vertretern aus der Bevölkerung und in eine Kammer mit Vertretern aus den Staaten. Im Senat (in der Schweiz wäre das der Ständerat) sitzen pro Staat je zwei Abgeordnete, also 100 Mitglieder, welche für sechs Jahre gewählt werden. Im Repräsentantenhaus (entspricht dem schweizerischen Nationalrat) sitzen 438 Mitglieder (1981) als Bevölkerungsvertreter, gewählt nur für zwei Jahre. Das ganze Parlament heisst Kongress, in der Schweiz Bundesversammlung. An der Spitze der USA steht der Präsident, welcher für vier Jahre gewählt ist und nicht länger als acht Jahre im Amt bleiben darf. Der Vizepräsident sitzt dem Kongress vor.
Die Evangelikalen haben sich in der Politik immer wieder bemerkbar gemacht. Als Teil der vorherrschenden Gesellschaft, den weissen angelsächsischen Protestanten, haben sie die USA geprägt und zu dem gemacht, was die Vereinigten Staaten von Amerika heute sind. Anderseits hatten sie durch die Erweckungsbewegungen genug Eigendynamik entwickelt, dass sie schon im 19. Jahrhundert als die führende Subkultur in der amerikanischen Gesellschaft galten. Typisch evangelikale politische Forderungen gab es aber oft nicht. Die verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe der Erweckten induzierten unterschiedliche politische Haltungen (z. B. Sklavereifrage), oft auch innerhalb der gleichen Denomination (die Methodisten spalteten sich sogar). Doch war es Aufgabe der Gemeinschaftsformen (Schule, Kirche usw.), das politische Bewusstsein der Bevölkerung, von denen viele Analphabeten waren, zu fördern und sie an die gesellschaftlichen Fragenkomplexe heranzuführen. Fragen, die man vom Glauben her klar zu beantworten gedachte (Alkoholismus, Sklaverei, Erziehung, Beseitigung der Ureinwohner usw.), bündelten die politischen Erwartungen der Gläubigen mit der Zeit in eine gemeinsame Richtung, so unterschiedlich diese gemeinsame Richtung von Gegend zu Gegend aussehen konnte (die Entfremdung der Kirchen im Norden gegenüber denjenigen im Süden und umgekehrt). Der Zusammenhang zwischen dem Evangelikalismus und der Politik lässt sich nicht für die ganze USA in einem beantworten. Zu unterschiedlich waren und sind die denominationellen Verhältnisse zwischen den Regionen, die wiederum auf gegenläufige wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen treffen.
Die Republikaner bildeten sich 1854 aus der Ablehnung gegen die Sklaverei. Sie hatten daher noch lange den Charakter der Nord-Partei (Yankees), während die Afro-Amerikaner, Nachfahren der ehemaligen Sklaven, traditionell zu den Demokraten hielten und die meisten tun es heute noch. Stimm- und Wahlrecht haben die Afro-Amerikaner erst seit der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts (!) im Nachgang zum Wirken des 1968 ermordeten Bürgerrechtlers Pfarrer Dr. Martin Luther King. Die grosse Kritik war unter anderem, dass die Afro-Amerikaner in Vietnam an der Front für die Demokratie kämpften, die man ihnen selber verweigerte. Die weissen Katholiken und Juden hatten schon früher Stimmrecht, obwohl die Afro-Amerikaner schon länger im Land leben. Die Anerkennung hatte die Auswirkung, dass John F. Kennedy 1961 als erster Präsident, der nicht zum bis anhin dominanten Kuchen der weissen angelsächsischen Protestanten (er war Katholik) gehörte, gewählt wurde. Auch die Juden stimmten für ihn und gaben als kleine Minderheit in manchen Gliedstaaten den Ausschlag für die Wahl Kennedys.
Die konservativen Protestanten waren in den ersten beiden Dritteln des 20. Jahrhunderts mehrheitlich Privatmenschen. Die Welt und die Politik war für sie das Reich des Bösen. Der Schock, nicht mehr zur Mehrheit, sondern zu einer weltanschaulichen Minderheit zu gehören, wirkte lange nach. Natürlich gab es immer regionale, zeitliche und innerkonfessionelle Unterschiede, wieviel Weltzugewandtheit oder -Abgewandtheit eine evangelikale bzw. fundamentalistische Gruppe oder Gemeindeverband an den Tag legte. Der Megatrend der Weltflucht befriedigte längerfristig jedoch nicht, sodass das Interesse und das Bewusstsein für die Mitverantwortung im Bereich Gesellschaft und Staat wieder zu wachsen begann. Die Zunahme des politischen Interesses bei konservativen Protestanten war unter anderem auch eine Reaktion auf die Weltfremdheit ihres Klerus und einer allzu strikt verstandenen geteilten Zuständigkeit des Reich Gottes von dem Reich der Welt. Die schnelle Veränderung der Welt durch die technologische Entwicklung war den Gläubigen durch ihre Erwerbstätigkeit nicht verborgen geblieben. Die Ansicht, nicht tatenlos alles hinnehmen zu wollen, wuchs. Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann sich eine eigentliche Trendwende in Richtung mehr politisches Bewusstsein abzuzeichnen, vor allem beeinflusst durch den Vormarsch christlicher TV- und Radiostationen. Jerry Falwell, der spätere Begründer der Moral Majority (1979-1987), sagte noch 1965 in einer Predigt, Politik könne für Christen keine wesentliche Sache sein. Später wurde er zum Kämpfer um mehr Einfluss der Christen in der Politik. Der Einfluss evangelikaler Protestanten auf die Politik ist heute stärker als je seit dem Sezessionskrieg im 19. Jahrhundert.
Ein Phänomen, das nicht nur in den USA beobachtet wird, ist die stärkere Politisierung des rechtsevangelikalen Spektrums. Das linksevangelikale Spektrum ist weniger professionell organisiert und neigt stärker zu politischem Quietismus. Unter den Geschäftsleuten des rechtsevangelikalen Spektrums lassen sich leichter gute Redner und Organisatoren sowie bares Geld beibringen als im gemässigt-evangelikalen Spektrum. Rechtsevangelikale Prediger haben zudem weniger Berührungängste, die Kanzel für politische Aussagen zu gebrauchen. Denn sie sehen sich als Hüter des wahren Christentums und des wahren Amerika, des weissen angelsächsischen Protestantismus. Unter gemässigt-evangelikalen Prediger ist man mit einem rhetorischen Schuss von der Kanzel vorsichtiger. Das Bewusstsein in einer pluralistischen Demokratie zu leben, ist hier grösser.
Konservative Protestanten haben Angst davor, dass sie das gesellschaftliche Establishment, von dem sie ausgeschlosen sind, einer Welt mit einer so verstandenen Offenheit ausliefert, dass die traditionellen Werte noch stärker unter die Räder geraten als bisher schon. Die Empfindlichkeit kondensiert besonders beim Thema Abtreibung oder Homosexualität, was auch in anderen Ländern wie der Schweiz zu beobachten ist. Reaktionäre Politgruppen wie die Republikaner bieten hier eine ideale Heimat, dieses Gefühl der Verlassenheit in der Politik auszudrücken. In der Schweiz und in Deutschland verhalten sich die Fundamentalisten nicht anders.
1977 gewann der gemässigte Evangelikale Jimmy Carter aus Georgia, Mitglied der Süd-Baptisten, die Präsidentenwahl. Im Süden gewann er vor allem dank den afro-amerikanischen Wähler, nicht dank den Weissen. Carter war Fristenlösungs-Befürworter und ging mit den Anti-Abtreibungs-Gruppen nicht auf Tuchfühlung. Er vermied es, Wahlveranstaltungen abzuhalten, deren Zuhörerschaft ausschliesslich aus Kirchenmitgliedern bestand (vor seinem offiziellen Wahlkampf tat er dies jedoch oft). Carter gab zu verstehen, um seine Wähler aus den anderen Weltanschauungen nicht zu brüskieren, dass er ein Präsident aller sein wolle. Die Fundamentalisten missverstanden dies aber teilweise und meinten, Carter betrachte das Christsein als ausschliessliche Privatsache.
Für die Präsidentenwahl 1980 stieg das Interesse an der Politik bei den konservativen Protestanten sprunghaft. Die evangelikale politische Bewegung war jetzt im Vergleich zu der Wahl von 1976 professionell durchorganisiert. Neben dem wiedergeborenen Kandidaten John Anderson waren auch der 1976 gewählte US-Präsident Jimmy Carter und der republikanische Herausforderer Ronald Reagan für ihre religiöse Ader bekannt. Die weissen Evangelikalen und Fundamentalisten bevorzugten 1980 den Nicht-Wiedergeborenen Ronald Reagan gegenüber dem Evangelikalen Carter im Verhältnis von 2:1. Den Fundamentalisten und ihrer spirituellen Art von Kaltem Krieg entsprach der Kalte Krieger Ronald Reagan besser (als junger Schauspieler meldete Reagan dem FBI regelmässig die Namen von verdächtigen Berufskollegen, von denen er glaubte, sie seien Kommunisten - und jeder der fünf Prozent mehr Lohn wollte, galt in jenen Tagen als Kommunist). Reagan mit seinen klaren und mit religiösen Versatzstücken garnierten Feindbildern kam bei den konservativen Protestanten (zuminest bei den Weissen) besser an als der amtierende gemässigt-evangelikale und sich als wiedergeboren bezeichnende Präsident Jimmy Carter.
Verschiedene Staaten kippten in den achtziger Jahren mehrheitlich auf die republikanische Seite. Dies erklärt die Wahlerfolge von Ronald Reagan und George Bush. Natürlich waren die unentschlossenen Wählergruppen in denjenigen Staaten, in welchen die Sache auf der Kippe stand, besonders umworben. Evangelikale Afro-Amerikaner und Hispanics neigten in den Südstaaten traditionellerweise den Demokraten zu. Doch verstanden es die Republikaner oft besser, ihnen den Speck (z. B. sich für ein Abtreibungsverbot einzusetzen) durch den Mund zu ziehen und die Ängste der konservativen Protestanten auszudrücken. Viele Christen wussten zum Beispiel nicht, dass die Demokraten die Partei der Schwulen und der Abtreibungsbefürworter sind. Die Republikaner zeigten ihnen dies auf, sodass sich viele umorientierten. Nannten sich 1984 20 Prozent der Weissen Evangelikale, so waren im Süden 35 Prozent der Weissen Evangelikale, eine starke, gesellschaftsprägende Schicht seit 1830. So waren die Evangelikalen Zünglein an der Waage.
Dazu muss man wissen, dass der Präsident nach dem Majorz- und nicht nach dem Proporzverfahren gewählt wird. Das heisst, welche Partei die Mehrheit hat, stellt alle Wahlmänner des betreffenden Glied-Staates (die Wahlmänner wählen dann ihrerseits den US-Präsidenten), auch dann, wenn die Mehrheit vielleicht nur 50,01 Prozent beträgt. Die Evangelikalen prägten mit ihrem Wechsel zu den Republikanern auch Nicht-Evangelikale aus der gleichen Gesellschaftsschicht. So gingen untern anderem Alabama, Arkansas, Georgia, Louisana, die beiden Carolina und Texas an die Republikaner über, Tennessee 1980 nur knapp. Dies ist insofern bemerkenswert, da die Staaten des ehemaligen Konföderations-Gebietes traditionellerweise - mit wenigen Ausnahmen in den fünfziger und sechziger Jahren - demokratisch wählten. Sowohl 1980 wie auch 1984 bevorzugten weisse konservative Protestanten über 50 Jahre in den Südstaaten mehrheitlich die Demokraten und nicht die Republikaner, der Tradition entsprechend.
Politisch ist der Einfluss der Fundamentalisten innerhalb der Republikanischen Partei grösser als je zuvor. Schon 1980 bezeichneten sich mehr als die Hälfte der weissen Delegierten der Republikaner als Fundamentalisten.
Afro-amerikanische Evangelikale haben im Gegensatz zu den weissen Evangelikalen schwerpunktmässig andere politischen Präferenzen, so wie gemässigte Evangelikale anders gelagert sind als radikale Evangelikale. Es gab zum Beispiel Evangelikale, die sich gegen die Wiedereinführung des Schulgebetes durch Präsident Reagan wandten, weil sie die Angehörigen anderer gesellschaftlicher Gruppen nicht diskriminieren wollten.
1984 bevorzugten weisse konservative Protestanten Präsident Reagan im Verhältnis 3:1 gegenüber dem demokratischen Herausforderer Walter F. Mondale. Die Juden waren die einzige weisse Gruppe, welche Mondale den Vorzug gaben. Kommunikatorisch geschickt vermittelte Reagan den konservativen Protestanten, er sei für ihre Anliegen offen. Vor einer Versammlung der National Religious Broadcasters bestätigte er seine Gegnerschaft gegen die Abtreibung. Mondale konterte im Wahlkampf, die Amerikaner reagieren ihm gegenüber überrascht, dass Gott offenbar ein Republikaner sei. Mondale konnte sich aber auch in Rage steigern. Er meinte, der Präsident (Reagan) wandle herum und nenne sich einen guten Christen, aber er glaube für keine Minute, dass dem so sei, die Politik Reagans sei so schrecklich ungerecht.
Zwischen 1984 und 1990 stimmten rund 65-70 Prozent der weissen Evangelikalen jeweils für den republikanischen Kongress-Kandidaten.
1988 stimmten 81 Prozent der weissen Evangelikalen für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush, der sich schliesslich gegen den Demokraten Dukakis durchsetzte. Eine so starke Zustimmung für Bush gab keine andere gesellschaftliche Gruppe. Als Kandidat war bei den Republikanern auch der Tele-Evangelist Pat Robertson eine Weile im Rennen. Von den Juden stimmten weniger als 30 Prozent für Bush.
1992 kam Robertson bei den Vorwahlen (primaries) in der republikanischen Partei immerhin auf den dritten Platz hinter Bob Dole und George Bush. Robertson war auch im als besonders fromm geltenden South Carolina unterlegen. Gewählt wurde der Demokrat Bill Clinton aus Arkansas.
Auch bei den Präsidentenwahlen 1996 unterstützten eine Mehrheit der theologisch konservativen Protestanten den republikanischen Kandidaten Bob Dole. 65 Prozent der religiös Konservativen waren für Dole, 26 Prozent für den amtierenden Präsidenten Bill Clinton (gemäss Los Angeles Times vom 4. August 2000 wählten 37 Prozent der Evangelikalen Clinton, die Fundamentalisten jedoch noch viel stärker für Dole, was die insgesamt 26 Prozent der religiös Konservativen für Clinton ergibt). Gemäss einer Umfrage der New Yorker Nachrichtenagentur Religion News Service stimmten die Katholiken zu 54 Prozent für Clinton und zu 36 Prozent für Dole. Die Juden wählten gar mit 83 Prozent Clinton und mit 13 Prozent Dole. Bei den Moslems gewann Clinton 48 Prozent und Dole 10 Prozent. Der Rest der Stimmen ging an den unabhängigen Kandidaten Ross Perot. Der demokratische Präsident Clinton wurde klar wiedergewählt.
Unter nicht wenigen konservativen Protestanten hat sich die Erkenntnis breit gemacht, dass die Republikaner mehr an den Stimmen der Christen als an der Umsetzung ihrer Anliegen interessiert sind. Trotzdem stimmen die meisten von ihnen nach wie vor für die Republikaner, wenn auch nicht mehr mit der früheren Begeisterung. Das heterogene fundamentalistisch-republikanische Konglomerat kann noch längere Zeit halten. Alternativen für die konservativen Protestanten gibt es keine. Ein erneuter Rückzug ins apolitische Privatleben ist derzeit nicht absehbar. Die gemässigten Evangelikalen schwanken zwischen Demokraten, Republikanern und politischer Abstinenz weiterhin hin und her.
Eine Gallup-Umfrage vom 21. Januar 1999 zeigte, dass 92% der Bevölkerung auch eine Frau zur US-Präsidentin wählen würden, 79% würden auch einen Mormonen wählen.
Eine von der New York Times veröffentlichten "Public Agenda"-Umfrage von 2001 bei 1057 Menschen in der ganzen Bevölkerung zeigt, dass 74 Prozent gegenüber religiösen Politikern skeptisch sind. Rund 58 Prozent waren der Meinung, Wähler sollten die Religion des Kandidaten nicht berüchsichtigen. Bei 37 Prozent war die Religion der Kandidaten von Bedeutung. Die Mehrheit der Befragten fanden, dass sogar tiefgläubige Politiker in Fragen der Rechte für Homosexuelle, in der Abtreibungsfrage und im Bereiche der Wohlfahrt Kompromissbereitschaft zeigen müssten.
Im Jahr 2000 sind gemäss Gallup vom 30. Juni 2000 bei den Republikanern 44% Protestanten, bei den Demokraten sind es 34%. Bei den Republikanern sind 24% römisch-katholisch, bei den Demokraten 25%. 6% sind bei beiden Parteien "als andere Christen" deklariert. Juden sind bei den Republikanern 1%, bei den Demokraten 3%. 3 % der Republikaner sind Mormonen, bei den Demokraten ist es nur 1%. Orthodoxe Christen haben beide Parteien je 1%. Bezüglich Präsenz in einem religiösen Gottesdienst unterscheiden sich Republikaner und Demokraten praktisch nicht. 23% der Republikaner wohnen in Städten, bei den Demokraten sind es 31%. 53% der Republikaner und 45% der Demokraten wohnen in Agglomerationen. Auf dem Land leben bei beiden Parteien 24% der Mitglieder. Bezüglich der Selbsteinschätzung bei der politischen Grundausrichtung bezeichnen sich 54% der Republikaner als konservativ, 22% der Demokraten. Als moderat bezeichnen sich 36% der Republikaner und 46% der Demokraten. Als liberal fühlen sich 8% der Republikaner und 26% der Demokraten. Die Bedeutungsfelder "konservativ", "moderat" und "liberal" in den USA sind nicht identisch mit denjenigen im deutschsprachigen Europa. Die Konservativen in den USA sind ausgesprochen wirtschaftsliberal, bei uns würde man sie je nachdem, welche Anliegen und Positionen sie betonen, als Liberale, als Freisinnige, Liberalkonservative, Konservative, Bürgerliche oder als Christdemokraten bezeichnen. Die Liberalen in den USA gelten eher als die Laissez-Faire, welche im Vergleich zu den Republikanern auch stark über den Strukturalismus als nur über den Individualismus Fortschritte erzielen möchten. Bei uns wären dies vor allem die Sozialdemokraten, die Grünen, die Evangelischen und in der Schweiz die Christlich-Sozialen (in Bayern würde man die Christlich-Sozialen eher zu demjenigen Lager zählen, das in den USA als "konservativ" gilt).
Die Trennung von Kirche und Staat wird von den Gerichten auch als strikte Trennung von Schule und Religion aufgefasst. Im Juni 2000 hat Gallup eine Umfrage gestartet, nachdem ein Gericht das Gebet eines Studenten über den Schulrundfunk in der Vorbereitung zu einem Football-Spiel als unzulässig erarchtet hatte. Das Gericht war der Meinung, dass das Gebet generell nicht in die Schule gehöre, unabhängig davon, wer es leitet oder organisiert. Die amerikanische Öffentlichkeit sieht dies anders. 83% der Bevölkerung sind der Ansicht, dass das Gebet im Rahmen des offiziellen Programms von Graduate-Zeremonien an Schulen zulässig sei, 17% waren dagegen. Die Benutzung von Schul-Einrichtungen nach dem Unterricht für religiöse Studenten-Gruppen wollen 78% erlauben, 21% nicht. In einem Schaufenster der Schule den Inhalt der Zehn Gebote zu präsentieren, sehen 74% als zulässig, 24% finden es als unzulässig. Die Verwendung der Bibel im Literatur-, Geschichts- und Sozialkunde-Unterricht sehen 71% als zulässig, 28% nicht. Das Sprechen eines täglichen Gebets im Klassenzimmer empfinden 70% als zulässig, 28% als unzulässig. Den Kreationismus in gleichem Range zu lehren wie den Evolutionismus, sehen 68% als zulässig, 29% nicht. Den Kreationismus in den Schulen als vorrangig zu lehren gegenüber dem Evolutionismus sehen 40% als zulässig, 55% als unzulässig. Wir sehen, dass die religionsfeindliche Umsetzung der Trennung von Schule und Religion in der Bevölkerung keinen Rückhalt geniesst. Bei den amerikanischen Gerichten gilt es als normal, die weltanschauliche Neutralität des Staates in der Form des zivilreligiösen Absolutismus' als verwirklicht anzusehen. Dies läuft der Weltanschauungsfreiheit jedoch zuwider, weil areligiöse oder antireligiöse Weltanschauungen bevorzugt behandelt werden. Darin liegt der Kern-Charakter des neuheidnischen Religionismus und liefert dem fundamentalistischen Religionismus die nötigen Plausibilitätsstrukturen.