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Evangelisch-Soziale Parteigruppe © 1993-2004
Schlussredaktion: Rolf Strasser
Die Internationale des Evangelikalismus
Bibeltreue Christen organisierten sich in der Evangelischen Allianz in London 1846. Diese ist seit 1968 fast auf der ganzen Welt organisiert (World Evangelical Fellowship WEF). Die WEF ist in einzelnen Ländern eher ein Kirchenbund, in anderen ein loser Verbund von Gemeindebünden und Einzelpersonen (wie in der Schweiz). Eine grosse Wirkung hatten in neuerer Zeit die Kongresse für reisende Evangelisten oder die Evangelisations-Kongresse. Der Weltkongress für Evangelisation in (West-)Berlin 1966 mit rund 1200 Vertretern aus über 100 Ländern hatte eine grosse Wirkung. Die zweite grosse evangelikale Internationale neben der WEF ist die Lausanne-Bewegung. Sie geht zurück auf den Ersten Internationalen Kongress für Weltevangelisation in Lausanne 1974. Sie wurde zur Hälfte von Christen ausserhalb der westlichen Welt besucht. Die Lausanne-Bewegung wird geführt vom Lausanne Committee for World Evangelization LCWE. 1989 gab es in Manila den Lausanne-II-Kongress. Es trafen sich 3000 in kirchlichen Führungspositionen stehende Christen aus 180 Ländern.Das elitärere LCWE und die basisnähere WEF decken beide den Evangelikalismus in seiner Breite ab. Die zwei Verbände stehen nicht in Konkurrenz, sondern in Ergänzung zueinander. In möglichst vielen Ländern entstanden sowohl vom WEF wie auch vom LCWE Sektionen. In der Schweiz entstand als LCWE-Ableger die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Evangelisation SAFE, die jedoch in den achtziger Jahren mit der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA (dem Schweizer WEF-Ableger) fusionierte, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden. In den Erklärungen der Lausanner Bewegung von 1974 und 1989 wurde das Glaubensbekenntnis der Allianz von 1846 bestätigt. Jedoch wurde neu die Verantwortung für die soziale Not der Menschen besonders bekräftigt.
Wie im übrigen Protestantismus und dem Katholizismus auch geht die Vorherrschaft der Weissen aus dem Westen auch im internationalen Evangelikalismus langsam zu Ende.
Die Internationale des Fundamentalismus ist im Vergleich zur breit abgestützten WEF und dem LCWE weniger bedeutend. Der fundamentalistische Dachverband International Council of Christian Churches ICCC wurde 1948 in Amsterdam gegründet. Eine gewisse Breitenwirkung ging aus vom 1978 bis 1988 bestehenden International Council of Biblical Inerrancy, welches das fundamentalistische Bibelverständnis neu formulierte.
Die Pfingstbewegung trifft sich alle paar Jahre zu eigenen Weltkongressen. Obwohl bei WEF und LCWE auch pfingstliche und charismatische Gemeinden organisiert sind, bestehen unter ihnen aufgrund von eigenen dogmatischen und kulturellen Schwerpunkten besondere Beziehungen. International gibt es auch besondere Kongresse der Pfingstler und Kongresse der Charismatiker, welche ab etwa 1960 die innerpfingstlerische Reformbewegung in Gang gebracht oder theologisch liberale Kirchen (auch im Katholizismus) charismatisch bzw. enthusiastisch erneuert haben.
Die Internationale des Evangelikalismus vollzieht sich auch, aber weniger, an den Weltkongressen der eigenen Denomination. Allerdings sind z. B. bei den Baptisten, dem Lutherischen Weltbund, bei der methodistischen oder mennonitischen (täuferischen) Weltkonferenz auch viele nicht-evangelikal orientierte Christen vertreten oder dominieren sogar. Eine weltumspannende Denomination, die vor allem aus Evangelikalen besteht, gibt es nicht. In den verschiedenen Sprachregionen sind ganz unterschiedliche Denominationen entstanden. Denominationen mit einer grossen Verbreitung auf der Weltkarte sind solche, die missionarisch stark aktiv waren oder sind. Die Missionstätigkeit einer Denomination führt aber oft dazu, dass neue Denominationen gegründet werden, die den Bedürfnissen der Einheimischen gerecht werden. Die Verbreitung der eigenen Denomination ist oft ein untergeordnetes oder überhaupt kein Ziel der Mission.
Zu den grössten Einflüssen der evangelisch-konservativen Bewegung der USA für die Welt gehören die Radiomissionen mit Ablegern und inzwischen teilweise selbständig gewordenen Zweigen. 1931 entstand in Ecuador unter amerikanischer Mithilfe der erste Radiosender, Heralding Christ Jesu Blessing HCJB. Radio ist das wichtigste Massenevangelisationsmittel, nicht nur für Analphabeten. Die zwei anderen grossen Radiowerke sind die Far East Broadcasting Company FEBC und Trans World Radio TWR. Der nationale Partner von TWR in Frankreich ist Radio Evangile und im deutschsprachigen Gebiet der Evangeliums-Rundfunk mit regionalen Zentren in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und Südafrika. Vor allem über Kurzwelle (mit welcher man zehntausende Kilometer weit senden kann), aber auch Mittelwelle, vereinzelt Langwelle, in einigen Ländern auf der geographisch nicht weit reichenden aber in guter Tonqualität daherkommende UKW und seit neuerem auch über Satellit wird das Evangelium in verschiedenen Sprachen weltweit verbreitet. Dabei handelt es sich nicht nur um Evangelisationssendungen wie Radiopredigten, Bibelstunden usw., sondern auch um Sendungen zu praktischen Lebensthemen wie Ernährung, Hygiene usw. Die evangelikalen Radio-Programme, deren Inhalt nach journalistischen Kriterien aufbereitet sind, gibt es eher selten. Die Programme werden teilweise in Sprachen ausgestrahlt, welche im weltweiten Vergleich nur noch von relativ wenigen Menschen gesprochen werden. Manchmal ist das christliche Radio das einzige Radio in der betreffenden Sprache. Die weit verbreitete Meinung, dass fundamentalistisch-evangelikale Missionierung zur Zerstörung der einheimischen Kultur führt, stimmt so nicht, oftmals ist das Gegenteil der Fall. Da Radiomission wirtschaftlich aufwendig ist, spannen hier die verschiedenen Denominationen zusammen, wobei es auch denominationsgebunde Rundfunkmissionen gibt, wie Adventist World Radio AWR. Von den grössten internationalen Radiomissionen wird in weit über 150 Sprachen gesendet.